Gesundheit : Berlins Naturkundemuseum ist dem Bund zu teuer

Uwe Schlicht

Für Berlins Naturkundemuseum besteht derzeit keine Chance, in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Mit dieser Entscheidung der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung (BLK) ist weiter ungewiss, wann die großen Kriegsschäden an diesem Gebäude umfassend beseitigt werden können. Bisher hat nur die Sanierung der Ausstellungshallen begonnen. Außerdem will die Humboldt-Universität, zu der das Museum bislang gehört, den Wiederaufbau der Ruine des Ostflügels finanzieren – mit Grundstücks- und Gebäudeverkäufen und Bundesmitteln aus dem Hochschulbau.

Aber im Hauptgebäude sind viele Räume nach Kriegsende nur provisorisch wiederhergerichtet worden. Der Bund rechnet mit Sanierungskosten von mehr als 100 Millionen Euro. Ein Betrag, den weder die Humboldt-Uni noch das Land Berlin aufbringen können. Seit Jahren wird in Berlin erwartet, dass das Naturkundemuseum in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen wird und damit der Wiederaufbau finanziell gesichert ist. Jahr für Jahr kommen Institute oder Forschungszentren zur von Bund und Ländern gemeinsam finanzierten Leibnizgemeinschaft hinzu. Doch das Naturkundemuseum muss weiter warten und hoffen.

Der scheidende Staatssekretär im Bundeswissenschaftsministerium, Wolf-Michael Catenhusen, erklärte gestern nach der BLK-Sitzung, es habe sich als großer Fehler herausgestellt, dass die Zukunft des Naturkundemuseums nicht Anfang der 90er Jahre geklärt wurde. Angesichts der Haushaltsnöte werde es immer schwieriger, Großinvestitionen einzuplanen. Ob der Bund in der kommenden Legislaturperiode in der Lage sein werde, den Sanierungsbedarf des Museums zu schultern, sei völlig offen.

Der neue Generaldirektor des Museums, Reinhold Leinfelder, reagierte alarmiert. Es sei undenkbar, dass ein so bedeutendes Haus – das Berliner Naturkundemuseum gilt als eine der fünf weltweit führenden Sammlungen – nicht „nationale Aufgabe“ sein solle, sagte Leinfelder dieser Zeitung.

Der Leibniz-Gemeinschaft gehören über 80 Institute und Museen an. Für die Institute hat die BLK jetzt einen Zuwachs in Höhe von drei Prozent bei den Etatmitteln beschlossen. Die von Bund und Ländern je zur Hälfte aufgebrachten Zuwendungen betragen 726 Millionen Euro für 2006. Für die sieben Museen wurde der Zuwachs noch nicht beschlossen.

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