Gesundheit : Berufsschüler nicht getestet

Bei den leistungsschwachen Schülern hat die Pisa-Studie Fehler

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Sie haben Zweifel an den Pisa-Ergebnissen aus Bayern und dem Saarland. Was stimmt nicht an der Schulstudie?

Eines der am meisten beachteten Ergebnisse der deutschen Pisa-Studie war, dass in Bayern auch die schwächsten Schüler besser gefördert werden als im übrigen Deutschland. Nun besucht hier zu Lande aber ein Teil der 15-jährigen Schüler schon die Berufsschule. Zwischen den Bundesländern gibt es dabei aber große Unterschiede: Bayern ist mit 14 Prozent seiner 15-jährigen Berufsschüler bundesweit Spitzenreiter, Nordrhein-Westfalen hat dagegen wegen der zehnjährigen Schulpflicht gar keine 15-Jährigen an Berufsschulen. In Bayern wurde diese große Gruppe von Berufsschülern an nur drei Schulen getestet. Zum Vergleich: In NRW wurden 15 Prozent Gesamtschüler an 25 Schulen getestet. Mit drei Schulen in Bayern sind repräsentative Ergebnisse schwer zu erreichen. Im Saarland ist es noch problematischer. Dort gehen zehn Prozent der Schüler zu Berufsschulen. Sie wurden gar nicht getestet.

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Zusätzlich haben sich an Bayerns Berufsschulen nur 53 Prozent der ausgewählten Berufsschüler tatsächlich am Test beteiligt. 80 Prozent Rücklauf sind aber Voraussetzung für die Wertung. Berlin wurde beispielsweise von der Gesamtwertung ausgeschlossen, weil an den Hauptschulen nur 53 Prozent der Test-Schüler teilnahmen.

Welche Konsequenzen haben diese Fehler für den Wert der Pisa-Studie?

Die Pisa-Ergebnisse über die leistungsschwächsten Schüler stehen in Frage. Ein ganz dickes Fragezeichen steht jetzt hinter der These, dass in Bayern die leistungsschwächsten Schüler besonders gut gefördert werden. Es sieht vielmehr so aus, als ob sich die Schwächsten dem Test entzogen hätten. Für Bayerns gute Ergebnisse bei Kindern mit Migrationshintergrund und aus sozial schwachen Familien gelten dieselben Zwe ifel. Die Gesamtergebnisse der Pisa-Studie werden aber durch diese Erkenntnisse nicht verschoben.

Welche Jugendlichen gehen in Bayern schon mit 15 Jahren zur Berufsschule?

Weil sie nicht getestet wurden, wissen wir das nicht so genau. Es darf aber vermutet werden, dass ein größerer Anteil von ihnen nach der neunjährigen Schulpflicht die Schule ohne Abschluss frühzeitig verlassen hat. An den Berufsschulen absolvieren sie beispielsweise berufsvorbereitende Kurse. Einige Schnelllerner können aber auch dabei sein. Insgesamt sind in dieser Gruppe aber nicht die glänzenden Schüler vertreten.

Was bleibt jetzt von der Pisa-Studie?

Insgesamt ist die Studie gut gemacht. Der Vergleich der Gymnasien hat so Bestand, wie er ist. Die meisten Grundaussagen stimmen. Und der internationale Vergleich ist überhaupt nicht betroffen, schon weil fünf Prozent Berufsschüler bundesweit bei der internationalen Stichprobe nicht zu Buche schlagen. Aber der deutsche Bundesländervergleich der schwächsten Schüler lässt sich auf dieser Datenbasis nicht machen.

Die Daten der Pisa-Studie sind nach wie vor nicht für die Wissenschaft und schon gar nicht für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich. Sind Ergebnisse, die nicht überprüft werden können, in der Sozialwissenschaft anerkannt?

Es ist normal, dass die Rohdaten empirischer Studien bei deren Veröffentlichung nicht sofort zur Verfügung stehen. Bei einer politisch so brisanten Studie wie Pisa ist es aber wünschenswert, dass Außenstehende die Ergebnisse überprüfen können. Die Daten müssen so schnell wie möglich frei gegeben werden.

Das Interview führte Bärbel Schubert.

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