Gesundheit : Besetzer dringen ins FU-Präsidium ein

Rangeleien: Polizei nimmt vier Studierende fest

Heike Foerster

Studenten der Freien Universität haben sich gestern Rangeleien mit der Polizei geliefert – nachdem sie zuvor das Präsidium der FU in Dahlem besetzt hatten. Mehrere hundert Studenten aus mehreren Fachbereichen standen vor dem Gebäude in der Kaiserswerther Straße und jubelten den Besetzern zu, sagten Studierende. Die Polizei nahm vier Personen vorläufig fest und erstattete eine Anzeige wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt.

Erst nach zwei Stunden, gegen 16 Uhr, verließen die Studenten das Präsidium. Werner Väth, der FU-Vizepräsident, habe zuvor mit den Besetzern verhandelt und einen Forderungskatalog der Studenten unterschrieben, hieß es. Demnach will sich FU-Präsident Dieter Lenzen noch in dieser Woche mit den Protestierenden treffen, um über die Kritik am Bachelorstudium zu diskutieren. Die FU wolle alle Daten zur neuen, bei den Studenten umstrittenen Campus-Software veröffentlichen. Die Studenten werfen der Unileitung vor, Daten zurückzuhalten. Auch wollten Dozenten in dieser Woche keine Anwesenheitslisten führen.

Gegen Mittag hatten sich etwa 15 Studierende Zutritt zu dem Gebäude in Dahlem verschafft, berichteten Augenzeugen. Im Gepäck: Transparente, die sie auf der Terrasse des dritten Stocks entrollten. „Gemeinsam gegen Studiengebühren“, war dort zu lesen. Auf einem Plakat waren Totenköpfe abgebildet. Auf einer anderen Flagge war das Motto der Freien Universität „veritas – iustitia – libertas“, also „Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit“, mit einem dicken Fragezeichen übermalt.

Die Studierenden, die sich allmählich vor dem Präsidium einfanden, wollten „auch rein“, sagte Björn Kietzmann vom FU-Asta. Diese Darstellung entspricht der der Polizei. Wann sie gehen, ja ob sie das Gebäude überhaupt freiwillig verlassen würden, war zwischenzeitlich unklar. „Die Studenten könnten sich gut vorstellen, das Präsidium zur Streikzentrale zu machen“, erklärte Kietzmann. Gegen drei Uhr nachmittags setzte die Leitung der Universität den Besetzern ein Ultimatum. Binnen einer halben Stunde sollten sie das Gebäude räumen. „Haut ab, haut ab“ skandierten die Studenten, als die ersten drei Polizeiwagen vorfuhren.

Die Studierenden diskutierten mit den Sicherheitskräften. Doch dann kam es zu einer Rangelei, als weitere Protestierer versuchten, ins Präsidialamt vorzudringen. Die Polizei versuchte das zu verhindern. Dennoch gelangten laut Augenzeugen weitere Studenten ins Gebäude. Andere wurden am Eingang festgehalten, darunter auch Asta-Sprecher Kietzmann. „Um mich herum standen sechs Sicherheitsleute der Uni, plus zwei Polizisten“, berichtete er dem Tagesspiegel.

Als „völlig überzogen“ beschreibt ein anderer Student das Vorgehen der Polizei: Gegen halb vier seien sogar zehn Polizeiwagen vor dem Präsidium vorgefahren und etwa hundert behelmte Beamte auf das Gebäude zugerannt. Zwischenzeitlich war Vizepräsident Väth vor die Studenten getreten, um sie zu beruhigen. Er sei bereit, zu diskutieren. Dafür sollten sich die Streikenden in die Rostlaube begeben – ein verzweifelter Versuch, die Streikenden vom Präsidialamt wegzubewegen, dem kaum jemand folgte. Stattdessen forderten die Demonstranten, dass die FU-Leitung die Besetzer nicht anzeigen solle – sowie die Podiumsdiskussion mit dem FU-Präsidenten und die Veröffentlichung der Computerdaten.

Am Otto-Suhr-Institut (Osi) beschlossen die Studenten unterdessen, heute ein Gebäude zu besetzen. Keine Mehrheit fand am Osi die Forderung, FU-Präsident Lenzen abzusetzen.

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