Gesundheit : Besser als ihr Ruf

Spitzenforscher aus dem Ausland loben die deutsche Wissenschaft

Tilmann Warnecke

Die deutsche Wissenschaft ist besser als ihr Ruf – das meinen ausländische Nachwuchswissenschaftler, die an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen arbeiten. Junge Forscher aus Asien, Afrika und Amerika halten ihre Institute hierzulande für gut ausgestattet, loben deren wissenschaftliches Niveau und finden die Arbeitsatmosphäre ausgezeichnet. „Die Deutschen können insgesamt zufrieden sein“, sagte Wolfgang Frühwald, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung, als er gestern in Berlin die Ergebnisse einer Umfrage unter seinen ausländischen Stipendiaten vorstellte.

Die Ergebnisse klingen umso besser, weil die 1706 befragten Humboldt-Stipendiaten aus 98 Ländern zu jenen besten Wissenschaftlern gehören, um die Universitäten weltweit buhlen. Der Blick von außen lieferte weitere überraschende Resultate: Freundlich und hilfsbereit seien die Deutschen, und sogar humorvoll und kinderlieb. Wenn die deutschen mit europäischen Forschungseinrichtungen kooperierten, seien sie durchaus konkurrenzfähig, folgerte Georg Schütte, Generalsekretär der Humboldt-Stiftung: „Die USA beginnen ihre Dominanz bei den Naturwissenschaften zu verlieren.“ Sind all die Hiobsbotschaften über die deutsche Wissenschaftslandschaft also nur halb so schlimm?

Viele Gastwissenschaftler beklagten sich über den Umgangston auf den Ausländerbehörden. Und der Etat der Humboldt-Stiftung wurde 2004 um drei Millionen Euro auf 47 Millionen Euro gekürzt. „Wir fördern Menschen und nicht teure Labore. Das sind sehr viele Menschen, die man mit drei Millionen weniger nicht mehr fördern kann“, kritisierte Frühwald. Der Zugang zum Internet und die Bibliotheken sei inzwischen an vielen Instituten mangelhaft. Die jetzt veröffentlichten Erfahrungsberichte wurden zwar in den Jahren 1997 bis 2001 erhoben; dass sich die Lage verbessert hat, sei angesichts der Kürzungsrunden für die Unis zu bezweifeln.

Mängel, die die Deutschen schnell beheben müssen. Denn bei der Forschung ist es inzwischen wie beim Fußball: Die internationale Spitze ist dicht zusammengerückt. Schütte warnte deswegen vor einer „neuen Konkurrenzsituation“, in der sich Deutschland befinde: Länder wie Indien und China würden längst damit beginnen, europäische Forscher zu attraktiven Instituten nach Asien abzuwerben.

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