Gesundheit : Besser ausbilden, besser regieren

Hertie School erwartet die ersten Studenten

Dorothee Nolte

Es könnte so einfach sein: Die Politik, Vater Staat beschließt etwas, und schon wird es umgesetzt. Heutzutage aber wird Politik zunehmend von übernationalen Institutionen, Wirtschaftsunternehmen, Verbänden und Nicht-Regierungsorganisationen mitbestimmt. Zukünftige Führungskräfte auf diese komplexen Anforderungen vorzubereiten, ist das Ziel der neuen Hertie School of Governance, die jetzt die staatliche Anerkennung erhalten hat. An der Hochschule, die zusammen mit der European School of Management and Technology (ESMT) im ehemaligen Staatsratsgebäude residieren wird, beginnen im September 30 Studierende mit dem zweijährigen Aufbaustudiengang „Master of Public Policy“. Sie ist die erste private Hochschule in Deutschland, die einen solchen Studiengang anbietet.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sieht in der neuen Hochschule eine „große Bereicherung für den Wissenschaftsstandort Berlin“. Bei der Vorstellung des Konzepts im Roten Rathaus lobte Wowereit, dass keine Bewerbung für die Hertie School „am Geld scheitern“ werde: Zwar verlangt die Schule Gebühren in Höhe von 10000 Euro pro Jahr, doch die Auwahl der Studierenden erfolgt ohne Ansehen ihrer Vermögensverhältnisse. Wer Studiengebühren oder Lebenshaltung nicht bezahlen kann, erhält ein Stipendium. Die Studenten müssen einen sehr guten Hochschulabschluss, zumeist in den Fächern Jura, Wirtschaft oder Politik nachweisen, Praktika oder Berufserfahrung und gesellschaftliches Engagement. 180 Bewerbungen hat die Schule erhalten, von den 30 Studienanfängern sind knapp die Hälfte Frauen. In Zukunft sollen pro Jahrgang 80 Studenten aufgenommen werden.

Die Hertie School of Governance versteht sich als Professional School nach amerikanischem Vorbild. Die Gemeinnützige Hertie Stiftung gewährt eine Anschubfinanzierung von fünf Millionen Euro jährlich, 25 Millionen in den ersten fünf Jahren. Besonderer Wert wird auf Internationalität, Interdisziplinarität und eine enge Verbindung von Theorie und Praxis gelegt. Diese Ziele spiegeln sich auch in den ersten Berufungen wider, wie der akademische Direktor Michael Zürn sagte: Sieben Professoren stehen bereits fest, darunter die Berliner Politologen Claus Offe und Ulrich Preuß, die sich eine Professur teilen werden. Die anderen Fakultätsmitglieder sind: Henrik Enderlein (Angewandte Ökonomie), Jobst Fiedler (ehemals Partner von Roland Berger, Public Management), der Amerikaner Steven Finkel (Empirische Forschungsmethoden), der Norweger Stein Kuhnle (Sozialpolitik) und die Schweizerin Sonja Wälti (Policy-Analyse). Sie sollen eng zusammenarbeiten, um der „Überspezialisierung“ zu entgehen, die Kurt Biedenkopf, Vorsitzender des Kuratoriums der Hertie School, als ein Hauptübel der Massenuniversität betrachtet. Ähnliche „Sprachschwierigkeiten“ herrschten zwischen Politik und Wirtschaft – die Absolventen der Schule sollen sich flexibel zwischen den Bereichen bewegen können.

Klaus Wowereit erhofft sich übrigens von der Hertie School auch Impulse für die Berliner Verwaltung. Zwar glaubt er nicht daran, dass deren Absolventen sich um einen Job im Berliner öffentlichen Dienst balgen werden: „Die suchen sich andere Jobs“. Bleibt also nur, bereits Angestellte freizustellen und auf die Hertie School zu schicken.

Mehr Informationen im Internet unter www. hertie-school.org

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