Gesundheit : Bessere Sicht durch Nebel

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Gebäudebrände verursachen nicht nur Sachschäden in Millionenhöhe, sie sind auch eine häufige Todesursache. Etwa 800 Personen sterben in Deutschland jährlich bei solchen Bränden. Denn viele der Gase, die bei solchen Feuern entstehen, sind giftig.

Wissenschaftler der Forschungsstelle für Brandschutz der Universität Karlsruhe arbeiten daran, Brände möglichst frühzeitig zu erkennen und zu löschen. Um die verschiedenen Löschmöglichkeiten zu testen, haben die Karlsruher in einer riesigen Halle ein mehrgeschossiges Haus in Holzbauweise errichtet.

Holztreppenhaus und Dachstuhl wurden dabei dem Altbaubestand in Städten wie Hamburg oder Berlin nachempfunden. Im Treppenhaus etwa entzünden die Forscher hochbrennbare Substanzen, die dann von einem Rauchmelder registriert und von so genannten Niederdruck-Wassernebellöschanlagen gelöscht werden. „Wassernebellöschanlagen begrenzen zunächst den Brand – und dadurch wird auch die Rauchentwicklung verringert. Allein das ist für die Rettung von Personen schon ein großer Vorteil“, erklärt Dieter Brein, Leiter der Forschungsstelle.

Denn in völlig verrauchten Gebäuden können Opfer häufig keine Fluchtwege oder Notausgänge mehr erkennen und irren umher. Die Wassernebel hingegen saugen den Rauch gleichsam ein. Durch die feinere Verteilung des Wassers im Raum werden Partikel des Rauchs absorbiert. Die Sicht wird dadurch besser.

Luft wird gewaschen

Dichter Qualm ist noch aus einem weiteren Grund gefährlich: Er enthält meist giftige Substanzen. Wenn die Feuerwehr eintrifft, sind die eingeschlossenen Menschen oft bereits an den Rauchgasen verstorben. Wassernebellöschanlagen können hierbei die Rettung sein. Dadurch, dass sie die Luft waschen, binden sie nicht nur feste Schadstoffpartikel, sondern auch Giftgase wie Kohlenmonoxid, erläutert Jürgen Kunkelmann, Brandschutzexperte der Uni Karlsruhe. Die noch vorhandenen Konzentrationen an Sauerstoff in der Luft werden geschont.

Die Versuche in der Karlsruher Forschungsstelle haben noch weitere positive Ergebnisse gebracht. Der Wassernebel schützte auch die konstruktiven Teile der Bausubstanz, etwa tragende Wände und Treppenräume. Brandschäden an entflammbaren Dämmstoffen oder Einrichtungsgegenständen, die sonst vom Feuer sehr stark angegriffen werden, blieben auf ein Minimum beschränkt.

Deshalb halten die Wissenschaftler Wassernebel gerade bei alten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden oder Dachstühlen für sehr nützlich. Dann sind bauliche Feuerschutzmaßnahmen, etwa Verkleidungen mit Gips oder anderen feuerfesten Dämmmaterialien, nicht mehr unbedingt notwendig.

Auch für Stahlbauten geeignet

Dies macht die Technik auch interessant für Glas- und Stahlbauten. Im Brandschutzzentrum bei Magdeburg haben sich Wissenschaftler mit den Materialeigenschaften solcher Stützelemente beschäftigt. „Stahl wird bei Temperaturen von über 500 Grad weich. Um den Einsturz der Konstruktion zu vermeiden, müssen die Träger kühl gehalten werden", erklärt Axel Kretschmer, Leiter des Brandschutz-Technologiezentrums. Deshalb hat Kretschmer für die Versuche Löschdüsen direkt in die Stahlrohrträger einbauen lassen.

Voraussetzung für die Entstehung des schützenden Sprühnebels ist vor allem die Tröpfchengröße. „Sie sollte nicht größer als ein Zehntel Millimeter sein“, weiß Gert Beilicke, Brandschutzsachverständiger aus Leipzig. Denn die Wassertröpfchen entfalten ihre Wirkung nur dann, wenn sie lange genug im Raum schweben bleiben. Allerdings müssen die Anlagen auch rechtzeitig aktiviert werden. Und dafür braucht man computergesteuerte Branderkennungssysteme. Sie müssen so ausgelegt sein, dass sie zwar rechtzeitig ansprechen, aber keine Fehlalarme auslösen. Eckart Granitza

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