Gesundheit : Bessy: Ausbau im armen Berlin oder im reichen Hamburg?

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Der Wissenschaftsrat hat Planungsgelder in Höhe von acht Millionen Euro für eine Erweiterung der Bessy-Anlagen in Adlershof freigegeben. Es geht um den Neubau eines freien Elektronenlasers für weiche Röntgenstrahlung. Dabei sollen Materialproben durch eine extrem hohe Zeitauflösung erforscht werden. Mit einem solchen Laser sollen ultraschnelle Prozesse in den Lebenswissenschaften sowie in den Materialwissenschaften auf ein neues Niveau gehoben werden. In den Materialwissenschaften geht es um die kleinsten magnetischen Strukturen, die so genannten Nanostrukturen. Auch die Biochemie oder die Umweltwissenschaft kann von einem solchen Laser profitieren.

Ob Berlin wegen des in Adlershof angesiedelten Bessy-Elektronenspeicherrings für Synchrotronstrahlung den Zuschlag für den neuen Laser erhält, ist allerdings noch offen. Auch Hamburg kommt als Standort in Frage. Die Standortfrage wird nicht nur von den wissenschaftlichen Planungen abhängen, sondern auch von den Finanzierungsmöglichkeiten. Der neue Laser soll 222 Millionen Euro kosten, an Betriebskosten werden weitere 12,4 Millionen Euro jährlich veranschlagt.

Ob Berlin einen erheblichen Millionenbetrag für den neuen Laser aufbringen kann, wird von einer wissenschaftspolitischen Richtungsentscheidung abhängen. Bisher gehört der Elektronenspeicherring Bessy zur Leibniz-Gemeinschaft. Wenn Bessy dort bleibt, muss die Finanzierung je zur Hälfte vom Bund und vom Land Berlin geleistet werden. Würde Bessy jedoch in die Helmholtz-Gemeinschaft verlagert, würde der Bund 90 Prozent der Kosten aufbringen und Berlin nur 10 Prozent. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats Peter Strohschneider erklärte, dass diese Grundsatzentscheidung nach Abschluss der auf drei bis vier Jahre bemessenen Planungsphase fallen werde. U.S.

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