Gesundheit : "Bewerben Sie sich!"

THOMAS GEHRINGER

DAAD: Mehr Stipendien, aber weniger Geld / Internationale StudiengängeVON THOMAS GEHRINGER"Wir machen ernst mit der Globalisierung", warb gestern in Bonn Theodor Berchem, Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), für die weltweite Öffnung der Studierenden-Programme.Bisher konnten nur Graduierte und Sprachstudenten auf ein Stipendium für Länder außerhalb Westeuropas hoffen."Ab jetzt können alle überall studieren - egal in welchem Land, egal welche Fachrichtung", sagte Berchem.Die Ausweitung hat allerdings ihren Preis: Der DAAD wird Studenten nur Teilstipendien finanzieren.Abgesehen von der monatlichen Zuwendung zwischen 600 und 1000 Mark werden die Kosten für Studiengebühren, Reise- und Krankenversicherung übernommen.Auf diese Weise sollen in Zukunft mehr Bewerber in den Genuß eines DAAD-Stipendiums kommen.Derzeit gibt es bei einem bewilligten Stipendium vier Ablehnungen.Berchem appellierte an alle Studentinnen und Studenten: "Bewerben Sie sich beim DAAD!" Nach wie vor ist Nordamerika - neben Westeuropa - das attraktivste Ziel in den Augen deutscher Studierender.Dagegen "können wir bei einem Studium in der Slowakei und Georgien jeden Bewerber einzeln begrüßen", bemerkte der DAAD-Generalsekretär Christian Bode.1996 vergab der DAAD 3363 Stipendien für deutsche Studierende, Graduierte und Wissenschaftler in Mittel- und Osteuropa; umgekehrt erhielten 11 010 Personen aus dieser Region ein Stipendium für wissenschaftliche Aus- und Fortbildung in Deutschland.Eine hohe Nachfrage registrierte der DAAD auch aus Afrika und Asien.Und nach wie vor wollen "zu wenige Amerikaner, Kanadier und Westeuropäer hier studieren und forschen", erklärte Berchem.Insgesamt förderte der DAAD im vergangenen Jahr 56 312 Deutsche und Ausländer, über 2000 mehr als 1995. Die Bereitschaft, im Ausland zu studieren, stagniere auf einem "hohen, aber noch keineswegs ausreichenden Niveau".Nur 2, 3 Prozent der deutschen Studierenden verbringen ein Semester im Ausland.Als Gründe nannte Berchem die Sorge, durch verlängerte Studienzeiten schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben, "eine Art Freischuß-Hysterie bei jungen Juristen" und Finanzsorgen bei BAFöG-Empfängern.Generalsekretär Bode: "Wir streben an, daß zehn Prozent der Studenten ins Ausland gehen." Von der Politik sieht sich der DAAD nur unzureichend unterstützt.Theodor Berchem appellierte an die Bundesregierung, der Erhöhung des Erasmus-Budget um fünfzig Millionen ECU zuzustimmen.Als nationale Agentur für dieses Förderprogramm der Europäischen Union versorgt der DAAD eine ständig wachsende Zahl, im vergangenen Jahr waren es 13 400 deutsche Studierende.Da die Mittelausstattung jedoch bisher nicht erhöht wurde, mußte das Erasmus-Stipendium "inzwischen auf ein Taschengeld-Niveau von nicht mal 300 Mark" reduziert werden", klagte Berchem. Erstmals konnte der DAAD 1996 als Folge der staatlichen Sparpolitik weniger Geld für den Auslandsaustausch ausgeben als im Jahr davor.Allein die Zuschüsse des Auswärtigen Amtes sanken um 8,8 Millionen Mark auf 223 Millionen.Das Bundesbildungsministerium zahlte mit 70,2 Millionen rund fünf Millionen Mark weniger als zuvor. Auf anderer Ebene gab sich die Bundesregierung spendabler.So fördert Bonn das neue DAAD-Programm "auslandsorientierte Studiengänge" bis zum Jahr 2001 mit dreißig Millionen Mark.Mittlerweile hat der DAAD aus einem Kreis von 66 Bewerbern dreizehn zweisprachige Studiengänge ausgewählt, die ab dem Wintersemester gefördert werden.Darunter sind auch die "International Agricultural Sciences" an der Humboldt-Universität.HU, TU und Technische Fachhochschule profitieren außerdem von dem DAAD-Programm "Partnerschaften mit Hochschulen in Entwicklungsländern".Mit fünf von insgesamt vierzig unterstützten Projekten nimmt Berlin dabei im Bundesvergleich eine gute Position ein.

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