Gesundheit : Bibel versus Moderne: Auch in Kansas soll Darwins Evolutionstheorie gelten

Jenny Upchurch

Wie und wann ist die Erde entstanden? Von wem stammt der Mensch ab und wer hat ihn erschaffen? Über diese Fragen scheiden sich die Geister seit Urzeiten. In puritanischen Bundesstaaten der USA streiten sich Bildungspolitiker seit Jahrzehnten, ob Schülern die moderne Evolutionstheorie des britischen Naturforschers Charles Robert Darwin oder die biblische Schöpfungsgeschichte unterrichtet werden soll. Vor gut einem Jahr verbannte der Bundesstaat Kansas Darwins Abstammungslehre und die Urknalltheorie zum Ursprung des Universums aus dem offiziellen Lehrplan. Nun wollen Politiker die umstrittene Entscheidung der Bildungskommission wieder rückgängig machen.

Bei den Vorwahlen um die Sitze in der zehnköpfigen Bildungskommission setzten sich in der vergangenen Woche auch bei den konservativen Republikanern drei Bewerber durch, die versprochen haben, Darwin zurück in den Klassenraum zu bringen. Die Wahl habe gezeigt, wie sehr sich Kansas über sein Ansehen als rückständiger Bundesstaat geschämt habe, sagt Kommissionsmitglied Janet Waugh, die die Evolutionstheorie befürwortet. Ihr Kollege Bill Wagnon ist derselben Ansicht: Darwin werde wieder unterrichtet, "darauf können Sie ihre Farm verwetten", sagt der Universitätsprofessor in Topeka, der Haupstadt von Kansas.

Seit die Bildungskommission vor drei Jahren entschieden hatte, die Leitlinien für den Unterricht neu zu fassen, gab es heftigen Streit zwischen Glaubensfundamentalisten und Anhängern der Naturwissenschaften. Im August vergangenen Jahres verabschiedete das Gremium mit knapper Mehrheit von sechs zu vier Stimmen den neuen Lehrplan, in dem Darwins Evolutionstheorie nicht mehr als offizieller Unterrichtsinhalt anerkannt wurde. Mit der Entscheidung bleibt es seitdem den mehr als 300 Schulbezirken in Kansas selbst überlassen, welche Version der Entstehung der Welt sie den Kindern nahe bringen. Allerdings nahm der Druck auf die Lehrer zu, die Abstammung des Menschen vom Affen zu unterschlagen oder zumindest in Frage zu stellen. Die christlichen Fundamentalisten wie das scheidende Kommissionsmitglied Harald Voth rechtfertigen ihre Entscheidung mit dem Argument, sie hätten Darwins Lehre ja nicht verboten, sondern den Schulen die Möglichkeit gegeben, alle Entstehungslehren zu unterrichten.

Seit dem Beschluss belächeln viele US-Bürger den Bundesstaat im Mittleren Westen als hinterwäldlerisch. Ein Zeitungsleser schrieb in einem Leserbrief: "Auf der nächsten Tagesordnung der Bildungskommission stehen die Forderungen, den Kindern beizubringen, der Storch bringe die Babys, die Erde sei eine flache Scheibe und die Mondlandung des Menschen sei auf einer riesigen Theaterbühne in New Mexico inszeniert worden." Gegner der Entscheidung verkauften Autoaufkleber mit der Protestbotschaft: "Kansas: Affen an der Macht erklären Entwicklung für gesetzeswidrig." Auch der republikanische Gouverneur Bill Graves kritisierte die Entscheidung der Kommission als "peinliche, tragische und schreckliche Lösung für ein Problem, das es nicht gibt".

Der bildungspolitische Zwist existiert in den USA nicht nur in Kansas. Auch in elf anderen Bundesstaaten gibt es ähnliche Bemühungen die Abstammungslehre zu verbannen. In Tennessee prüften und verwarfen die Gesetzgeber einen Entwurf, wonach öffentliche Schulen Lehrer feuern könnten, wenn sie die Evolution als Tatsache und nicht als Theorie unterrichteten. Zu der bisher spektakulärsten Episode war es 1925 in Tennessee gekommen, als ein Gericht einen Lehrer verurteilte, weil er Gymnasiasten die Forschungsergebnisse von Darwin aus dem 19. Jahrhundert erklärt hatte.

Nach neuesten Umfragen des Gallup-Institutes glauben die meisten US-Bürger nicht strikt an die Evolutionstheorie. Rund 40 Prozent meinen, die Evolution habe zwar stattgefunden, allerdings unter Gottes Anleitung. Dagegen glauben 44 Prozent ausschließlich an die Schöpfungsgeschichte, nach der Gott in sechs Tagen die ganze Erde samt allen Lebewesen erschaffen habe. Die Bibelfesten entschieden sich für die von der Umfrage vorgegebene Option: "Gott erschuf den Menschen, so wie er heute ist, irgendwann innerhalb der vergangenen zehntausend Jahre."

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