Gesundheit : Big Brother sieht nichts mehr Aber HU-Student fühlt sich

auch ohne Kameras kontrolliert

Anja Kühne

Der Student Carlos Katins, der sich von Videokameras in Hörsälen der Humboldt-Universität überwacht fühlt, will noch immer nicht von einer Klage gegen die Uni absehen. Die Humboldt-Universität hatte die Kameras unlängst wegen öffentlicher „Irritationen“ abmontiert (wie berichtet). Damit will sich der Jura-Student aber nicht zufrieden geben, wie er jetzt sagt:„Die Kabel sind noch da, die Kameras könnten schnell wieder angebracht werden.“ Nicht nur vermisst Katins „eine verbindliche Erklärung“ der Universität, in der sie ihre Absicht kundtut, die Kameras auch in Zukunft nicht wieder anzubringen. Auch sieht er den Anlass für eine Klage wegen Verletzung des Datenschutzes nicht beseitigt. Die „Überwachung“ an der HU werde auch ohne Kameras fortgesetzt: als Audioüberwachung. „Es ist unangenehm, gefilmt zu werden. Aber noch viel schlimmer ist es, belauscht zu werden“, sagt Katins.

Katins, der als Einzelkämpfer agiert, stört sich besonders an der zentralen Abwicklung der Ton- und Bildtechnik an der Humboldt- Universität. Aus einem Raum im Hauptgebäude werden Mikrofone und – bis vor kurzem auch Kameras – von zwölf Hörsälen gesteuert. Dazu gibt es eine fest installierte große Anlage wie in einem Kongresszentrum. Dagegen werden etwa an der Freien Universität nur dann Kameras aufgebaut, wenn eine Vorlesung überfüllt ist und die Studenten im Nebenraum eine Live-Übertragung sehen sollen. Der Berliner Datenschutzbeauftragte hatte im November die Kameras an der HU zwar für zulässig erklärt, aber verlangt, dass sie auf Schildern auf den „Umstand der Beobachtung“ aufmerksam macht. Dem war die Uni nachgekommen.

Zu nah am Lautsprecher

Aus Sicht des Datenschutzbeauftragten der Uni, André Kuhring, besteht kein Grund dafür, sich an der Humboldt-Uni überwacht zu fühlen. Soll eine Vorlesung (etwa eines prominenten Gastredners) aufgezeichnet werden, muss der Gastgeber dies extra bei den Tontechnikern schriftlich beantragen und das Publikum darüber vor Beginn der Veranstaltung informieren. Die Kameras, von denen Bilder in die Technikzentrale liefen, hatten den Zweck, den Tontechnikern lange Wege durchs Haus zu ersparen, um den Grund für Übersteuerungen von Mikrofonen herauszufinden: „Man konnte sehen, ob einer etwa zu nah an den Lautsprechern stand.“ Nun, da die Kameras abmontiert sind, seien die Tontechniker unentwegt zu Fuß im Haus unterwegs, um in den Hörsälen persönlich nachzufragen, ob alles gut läuft.

Die wenigen älteren Kameras will die Uni nun verschrotten, wie eine Sprecherin mitteilte. Was mit den neuwertigen Kameras geschehen soll, steht noch nicht fest. Fest steht nur, dass ihre Anschaffung überflüssig war.

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