Gesundheit : Bildung: "50 000 Lehrer fehlen"

Nach Schätzung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fehlen zu Schuljahresbeginn bundesweit rund 50 000 Lehrer. Als besonders dramatisch bewertete GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange am Wochenende im Radiosender F.A.Z. 93.6 die Situation in den neuen Bundesländern. Dort stünden Schulschließungen und ein enormer Stellenabbau an. Außerdem bemängelte Stange Zustand und Ausstattung mancher Schulen, die teilweise katastrophal seien. Der Lehrermangel sei "den Versäumnissen bei Einstellungen der vergangenen Jahre geschuldet". Für dieses Schuljahr stünden allein 30 000 junge Lehrkräfte bereit, die auf Stellen gesetzt werden könnten, die durch Pensionierungen frei würden.

Zur Kritik am Zustand der deutschen Schulen passt eine noch unveröffentlichte Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS Hannover), über die am Sonntag das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete. Demnach fühlen sich die deutschen Abiturienten überwiegend schlecht auf Studium und Arbeitsmarkt vorbereitet. Die Mehrheit der Schulabgänger verlässt der Studie zufolge das Gymnasium unzufrieden. Die zufriedensten der bundesweit 14 000 befragten Abiturienten kommen aus Sachsen, dem Saarland und Bremen. Schlusslichter sind Hamburg, Berlin und Niedersachsen.

Gleichzeitig geht die Debatte um eine Verkürzung der Abiturzeit auf zwölf Jahre weiter. Die CDU will Zeitungsberichten zu Folge durchsetzen, dass die Regelschulzeit bis zum Abitur bundesweit auf zwölf Jahre verkürzt wird. Dies sieht ein Entwurf des Parteipräsidiums zur so genannten Neuen Sozialen Marktwirtschaft vor, wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet. Das Abitur soll laut dem Papier "keinen Rechtsanspruch mehr auf Zulassung zur Universität begründen". Den Hochschulen müsse es künftig erlaubt sein, die Studenten "im Rahmen von leistungsbasierten Zulassungsverfahren auszuwählen". Die FDP unterstützte dies. Ihre Partei werde im Herbst eine entsprechende Änderung des Hochschulrahmengesetzes einbringen, teilte die Vorsitzende des Bundestagsbildungsausschusses, Ulrike Flach, in Berlin mit.

Die CDU will nach Angaben der Zeitung außerdem mehr Wettbewerb zwischen den Schulen ermöglichen. So sollen Eltern bei der Auswahl der geeigneten Schule nicht mehr an das Ortsprinzip gebunden sein, sondern "zwischen allen verfügbaren Angeboten frei entscheiden können". Zudem sind für alle Schulformen zentrale Abschlussprüfungen auf Länderebene vorgesehen. Auf diese Weise werde ein Leistungsvergleich möglich, heißt es. Englisch soll bereits in der Grundschule Pflichtfach werden.

Eine Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf 12 Jahre hatte als erstes westdeutsches Bundesland vor kurzem das Saarland eingeführt. Andere Länder unternehmen Modellversuche. In Sachsen und Thüringen beträgt die Zeit bis zum Abitur seit DDR-Zeiten 12 Jahre.

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