Gesundheit : Bildung: In zwölf Schuljahren zum Abitur

Das Saarland hat die Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf zwölf Jahre verkürzt. Ministerpräsident Peter Müller (CDU) startete am 2. August gemeinsam mit Alt-Bundespräsident Roman Herzog in einem Festzelt in Merzig das achtjährige Gymnasium. Damit ist das Saarland das erste westliche Bundesland, in dem die Hochschulreife flächendeckend in der kürzeren Schulzeit erreicht werden kann. Baden-Württemberg will dieses Ziel im Schuljahr 2004/05 erreichen.

In der Feier mit Schülern und Eltern dankte der CDU-Regierungschef Herzog, dass er mit seiner "Berliner Rede" 1997 im Hotel Adlon den Impuls gegeben habe. Herzog knüpfte an seine damalige Aussage von "gestohlener Lebenszeit" an und meinte, durch eine zu lange Schulausbildung werde eines der wichtigsten Rechte des Menschens beschnitten. Zudem verliere man mit zunehmenden Alter an Kreativität und Spontanität, worauf es aber in vielen Berufen heute ankomme. Junge Leute aus anderen Staaten hätten durch ihre kürzere Schulzeit heute oft Wettbewerbsvorteile und kämen früher in führende Positionen.

Die ersten "systematischen" Acht-Jahres-Abiturienten starten in diesem Schuljahr in der fünften Klasse. Die Lehrpläne sollen noch umgestellt werden, kündigte Kultusminister Jürgen Schreier (CDU) an. Da die Gymnasien im Saarland aber wie alle anderen im Bundesgebiet an die von den Kultusministern verabredete Mindeststundenzahl bis zum Abitur gebunden sind, kommen auf die Schüler verstärkt Unterricht am Nachmittag und am Samstag zu.

Turbo-Abitur

Das Abitur am Ende der zwölften Klasse ist in Deutschland bislang nur in Sachsen und Thüringen üblich. Beide hatten 1990 an der DDR-Regelung festgehalten. In fast allen Bundesländern wird aber inzwischen mit unterschiedlichen Modellversuchen für eine kürzere Schulzeit experimentiert. So können in Niedersachsen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen besonders begabte Schüler ein Jahr überspringen. Bayern bietet das kürzere Abitur an Ganztagsgymnasien an. Rheinland-Pfalz hat durch organisatorische Umstellungen ein halbes Jahr eingespart. Sachsen-Anhalt hat zwar das 13. Schuljahr eingeführt, experimentiert aber auch mit dem rheinland-pfälzischen Modell. Auch Brandenburg hat eine dreizehnjährige Schulzeit, will aber wieder verkürzen. Baden-Württemberg hat seinen Versuch zum achtjährigen Gymnasium einige Jahre getestet.

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