Gesundheit : Bildung: "Pädagogische Konzepte statt Schulformen diskutieren"

Die Kultusminister haben sich jetzt auf erste Kons

Doris Ahnen (37) ist seit diesem Jahr Schulministerin in Rheinland-Pfalz, das die Ganztagsschulen ausbaut.

Die Kultusminister haben sich jetzt auf erste Konsequenzen aus den Pisa-Ergebnissen verständigt. Welche halten Sie für besonders wichtig?

Die Kinder müssen möglichst früh gefördert werden - in den Grundschulen, aber auch schon im Kindergarten. In diesem Alter bringt die Förderung am meisten, gerade bei Sprachdefiziten und Lernproblemen.

Die Pisa-Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Kinder in Deutschland in der Grundschule zu wenig Unterricht bekommen. Sind mehr Stunden nötig?

In Rheinland-Pfalz und einigen anderen Bundesländern haben wir dieses Problem mit der vollen Halbtags-Grundschule schon behoben. Jetzt geht es um inhaltliche Entwicklung und bessere pädagogische Konzepte. Lesen, Schreiben und mathematische Grundkenntnisse müssen als Kernkompetenzen dabei im Vordergrund stehen.

Wie kann man erreichen, dass Verbesserungen die einzelne Schule und den konkreten Unterricht auch wirklich erreichen?

Durch ein umfassendes Qualitätsmanagement auf der Grundlage von Programmen, die die Schulen sich erarbeiten und überprüfen. Dazu gehört auch Lehrerfortbildung.

Die Ganztagsschule rückt durch Pisa in den Blickpunkt. Rheinland-Pfalz geht beim Ausbau dieser Schulform in Deutschland voran. Die Entscheidungen dafür sind schon lange vor Pisa gefallen. Aus welchen Gründen haben Sie das durchgesetzt?

Ganztagsschulen bieten mehr Möglichkeiten für zusätzliche Förderung. Das kommt besonders den schwächeren Schülern zugute und den sozial Benachteiligten, die zu Hause zu wenig Anregungen und wenig Lernmöglichkeiten haben. Für ausländische Kinder gilt das Gleiche; denn sie haben so länger Gelegenheit, mit den Mitschülern Deutsch zu sprechen. Zusatzangebote für besonders Begabte lassen sich ebenfalls leichter einrichten. In dieser Gruppe haben wir bei Pisa auch nicht besonders abgeschnitten.

Es ist aber nicht damit getan, einfach ein paar Stunden am Nachmittag dranzuhängen. Wir haben eine veränderte Gesellschaft und damit eine andere Kinder- und Jugendphase. Darauf muss die Schule mit sinnvollen Konzepten reagieren - im Unterricht und für die Freizeit.

Wann wird Rheinland-Pfalz die Ganztagsschule für jeden erreichbar anbieten?

Bis zum Ende der Legislaturperiode werden wir 300 Ganztagsschulen anbieten. Start ist zum Schuljahr 2002 / 2003. Das Interesse der Schulen ist groß und die Teilnahme freiwillig. Aber wer sich dafür entschieden hat, muss verbindlich mindestens ein Jahr dabei bleiben. Also nicht: Dienstagnachmittag ja, mittwochs aber nicht. Mit der Ganztagsschule erleichtert man außerdem vielen Frauen die Berufstätigkeit.

Der Pisa-Spitzenreiter Finnland demonstriert den Erfolg eines integrierten Schulsystems: neun gemeinsame Schuljahre für alle Kinder, 95 Prozent kommen zum Abitur. Welche Hinweise gibt das für die deutsche Reformdebatte?

Ich hoffe, dass diese Diskussion jetzt rationaler wird. Für mich steht aber die Schulsystemfrage nicht im Vordergrund, sondern die Unterrichtsqualität. Sonst diskutieren wir wieder zehn Jahre lang, und es ändert sich wenig. Für alle Schulen brauchen wir konkrete Verbesserungen.

Nach den Empfehlungen des Bund-Länder-"Forum Bildung" sollen die Kindergartengebühren überprüft werden, um mehr Kindern den Kindergartenbesuch zu ermöglichen. Wie schätzen Sie das ein?

Das ist nicht in erster Linie eine Geldfrage. Wir haben schon eine hohe Beteiligung und man muss wissen, was man politisch packt. Für mich liegt der Schwerpunkt erst mal beim Ausbau der Ganztagsschule.

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