Gesundheit : Bildungsmesse in Berlin: "Irgendwas mit Kommunikation"

Saskia de Vries

Man sagt über John F. Kennedy, dass seine herausstechendste Eigenschaft eine immerwährende Bereitschaft zu lernen gewesen sei. Mit diesem Satz im Kopf wartete ich im Arbeitsamt auf das Aufleuchten der Wartenummer 57. Hier erhoffte ich mir Klarheit darüber, warum mir nach absolviertem Studium (Spanisch, Französisch, Philosophie - inklusive Auslandserfahrung) Absagen wie Werbebroschüren ins Haus flatterten. Immerhin bewegte ich mich noch unter der magischen Altersgrenze von dreißig Jahren und hatte mich erfolgreich in verschiedenen Praktika bewährt.

Mein Berufsziel "irgendwas mit Kommunikation" war wohl zu vage, um potenzielle Arbeitgeber zu überzeugen. In Bewerbungsgesprächen wurde mir jedenfalls schnell bewusst, dass mir einfach konkrete Vorstellungen über meinen zukünftigen Arbeitsalltag fehlten. Das Motto "einmal studiert und ausgelernt fürs Leben" funktioniert heute eben nicht mehr.

"Auch vor Ihnen als Akademikerin macht die Forderung nach Weiterbildung und Spezialisierung nicht Halt", teilte mir der Mann vom Arbeitsamt mit. Ein Studium als Eintrittskarte? Weit gefehlt. Gerade Geisteswissenschaftler werden vom Arbeitsamt oft mit dem Prädikat "unvermittelbar" zertifiziert. Ohne zusätzliche Qualifikation haben sie kaum eine Chance, einen passenden Arbeitsplatz zu finden.

Ein ausführliches Beratungsgespräch mit dem Hochschulteam des Arbeitsamtes brachte erstes Licht in die Nebellandschaft meiner beruflichen Vorstellungen: Mit meinen Fähigkeiten könnte ich im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit gut aufgehoben sein. Ausgerüstet mit einer neuen Perspektive wollte ich es mit einer Weiterbildung zur PR-Referentin versuchen.

Doch jetzt galt es den richtigen Anbieter eines Kurses zu finden - und es war eine Wissenschaft für sich, einen Überblick über den Weiterbildungsmarkt zu gewinnen. Vor allem, weil mir jeder Anbieter mit wohlgefeilten PR-Floskeln eine goldene Zukunft versprach. Entscheidendes Kriterium war für mich die Finanzierung durch das Arbeitsamt und der persönliche Eindruck des Instituts. Finden Eignungsgespräche statt? Sind die Kurse überfüllt? Mit welchen Referenzen und Dozenten kann mich der Anbieter überzeugen? Persönliche Gespräche mit Kursteilnehmern und die technische Ausrüstung des favorisierten Instituts wollte ich bei der Auswahl berücksichtigen. Meine Wahl fiel letztlich auf die WBS Training AG.

Mein neu erworbenes Buch "Trost der Philosophie" verschwand zwar zunächst zugunsten von Berufslektüre, meine Skepsis in Bezug auf den "Mythos Weiterbildung" jedoch nicht. Noch fürchtete ich, Weiterbildung sei nichts anderes als ein einjähriges Miteinander frustrierter arbeitsloser Akademiker, die sich gegenseitig therapieren. Und das alles wahrscheinlich weit weg vom wirklichen Berufsalltag.

Nach einer weiteren Absage für ein PR-Volontariat trat ich gezwungenermaßen meinen ersten Schultag an - und wurde positiv überrascht. Ich traf auf zwei Dutzend hochmotivierte Teilnehmer: Von der Theaterwissenschaftlerin bis zur Juristin, vom afrikaerfahrenen Ethnologen bis zum promovierten Bauplaner, von der chinesischen Journalistin bis zum Politologen reichte das Spektrum der Teilnehmer.

"Neuorientierung" hieß unser Zauberwort für die kommenden Monate. Das bedeutete, eine realistische Orientierung an den praktischen Bedürfnissen des Arbeitsmarktes, ohne das im bisherigen Studien- und Arbeitsleben erworbene Wissen über Bord werfen zu müssen. Dies war der Spagat, den es zu meistern galt. Statt rhetorisch gewandte Essays zu formulieren übte ich mich in Pressemitteilungen und Unternehmensdarstellungen, fluchte über BWL-Klausuren und schwitzte über dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Ich kämpfte mich durch neue Wissensgebiete und versuchte, oft mehr schlecht als recht, mich neuen Inhalten und Lernprozessen zu öffnen.

Sprungbrett in den Job

Im Praktikum, in dem wir derzeit sind, finden einige Teilnehmer einen Job, viele erarbeiten sich zumindest die Möglichkeit einer späteren freien Mitarbeit. Die Vermittlungsquoten sollen zwischen 70 und 95 Prozent liegen. Nahezu alle Teilnehmer bekommen die Kursgebühren von knapp 16 000 Mark aus dem Weiterbildungsbudget der Behörden erstattet, EU-Gelder sorgen bei Bedarf für den Unterhalt. Fünf der 25 Teilnehmer haben schon während des laufenden Kurses feste Jobangebote gehabt und sind ausgestiegen.

Jetzt wird mir auch klar, wie wichtig die Referenten aus der Praxis und die direkte Umsetzung des Erlernten in Realprojekte war. Sowohl das breitgefächerte Curriculum von Branchenwissen über Presse- und Medienarbeit hin zu Managementtheorien als auch eine integrierte EDV-Ausbildung schenkten mir einen Überblick über das weite Feld der Kommunikation und jedem die Möglichkeit, sein Spezialgebiet zu finden: Die Pressearbeit in einem Ministerium, das Konzipieren von Gala-Events oder Imagekampagnen für Wohlfahrtseinrichtungen. Besuche von Zeitungsredaktionen und Pressekonferenzen oder die Produktion eines Videospots vom Drehbuch bis zum Schnitt ließen uns ständig neue Arbeitsfelder und in uns schlummernde Talente entdecken - und Arbeitsproben sammeln.

Die als Abschlussprojekt durchgeführte PR-Konzeption für einen realen Auftraggeber und dessen positive Resonanz war der gelungene Prüfstein für den Nachweis unseres erworbenen Wissens. Kontakte, die durch Kursteilnehmer, Dozenten, Praktika und Projektarbeiten entstanden sind, erleichtern uns jetzt vielleicht den Weg in den Berufsalltag.

Für die über vierzigjährigen Kursteilnehmer (immerhin 30 Prozent des Kurses) wird es wohl trotz zusätzlicher Qualifikation schwierig werden, sich in der sehr "jungen" Medienwelt zu etablieren. Manche der Teilnehmer sind für das Haifischbecken der Medien auch einfach nicht geeignet. Eignungsgespräche hätten hier differenzierter durchgeführt werden können.

Ich konnte feststellen, dass die Weiterbildung meine Qualifikationen und Kompetenzen erweitert hat, mir Selbstbewusstsein und klarere Vorstellungen über meine künftige Berufstätigkeit geschenkt hat - und mich vor dem Frust der damaligen Arbeitslosigkeit gerettet hat. Ob ich wirklich ausreichend auf die Berufspraxis vorbereitet bin oder die PR-Versprechen sich nun doch als Floskeln enttarnen, wird sich zeigen. "Das große Ziel der Bildung ist nicht Wissen, sondern Handeln" verriet mir der englische Philosoph Herbert Spencer heute Morgen auf dem Weg zum Praktikum.

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