Gesundheit : Bildungsmesse in Berlin: Klassenzimmer Deutschland

Saskia De Vries,Dieter Viess

Hurra, hurra, die Schule brennt! Dieser angegraute Hit aus Pennälerzeiten wird heute vielen wehmütig in Erinnerung kommen, denn nach all dem Gerede über Informationszeitalter und Wissensgesellschaft ist nun tatsächlich der Ernstfall eingetreten: Schule ist überall und kein Ende des Lernens in Sicht. Dabei sitzen wir nicht nur Abend für Abend vor dem Fernseher und zittern in diversen Quiz-Shows der Millionenfrage entgegen, nein, 80 Millionen Schüler sitzen im Klassenzimmer Deutschland - oder sollten dies zumindest tun. Lernen ist, so sagt man uns, wie Rudern gegen den Strom. Hören wir auf, dann treiben wir zurück. Also marsch auf die Galeeren, äh Schulbänke, denn Weiterbildung ist die erste Bürgerpflicht!

Umschulungs-, Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote von Arbeitgebern oder Arbeitsamt werden uns mit nicht immer sanftem Druck offeriert. Fehlt eigentlich nur noch die "polizeiliche Vorführung des Schulpflichtigen". Wer jedoch freiwillig zu den Strebern, pardon: zur Info-Elite der Wissensgesellschaft gehören will, stellt bald fest, dass der Parcours zwischen Bildungsbörsen, Bewilligungsbehörden, Kostenträgern und Lehranstalten selbst eine Art verschärftes Praxisseminar in Sachen Informationsmanagement, Selbstmotivation, Durchsetzungsvermögen und Budgetplanung darstellt. An dieser Hürde könnten schon einige scheitern, was zu gewissen logischen Paradoxien führt. Man sieht, auch die Bildungspolitik ist Teil der Kraft, die stets das Gute will und oft Probleme schafft.

Aber, ist die wichtige Bildung nicht immer noch die des Herzens und des Charakters? Weder die Aussicht auf berufliches Fortkommen noch Günter Jauch motivierten schließlich die Philosophen aller Zeiten, und sie wurden trotzdem in großer Gelassenheit steinalt. Plutarch mit 88, Russell mit 97 und der noch lebende Gadamer mit 101 zeigen uns, dass Bildung sehr gesund sein kann. Doch, wissen das eigentlich auch unsere Rentenexperten? Oh nein, bevor wir hier noch ein Problemthema anschneiden, verstecken wir uns hinter unserem Vordermann, schicken Briefchen durchs Klassenzimmer und warten lieber auf ein Ereignis, das uns schon immer als ein Höhepunkt des abendländischen Musikschaffens gegolten hat: das Ertönen der Pausenklingel.

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