Gesundheit : Bildungsministerin Bulmahn motiviert Ingenieurinnen an der TU

Tilmann Warnecke

Bildungsministerin Edelgard Bulmahn will verstärkt Frauen für den Ingenierusberuf werben. "Es wäre schlicht dumm, bei der Technik der Zukunft auf das Potenzial von Frauen zu verzichten" sagte Bulmahn anläßlich der ersten speziell auf den weiblichen Ingenieursnachwuchs ausgerichteten Informationsbörse "Meet.ing", die sie gestern in der Technischen Universität eröffnete. Bisher liegt der Frauenanteil in den Ingenieurswissenschaften an deutschen Hochschulen bei gerade 19 Prozent, in den als Zukunftsfächern geltenden Bereichen wie Nachrichten- oder Elektrotechnik sogar noch deutlich niedriger. Bulmahn beklagte, dass bislang zu wenig Unternehmen gezielt um Ingenieurinnen werben würden. Dabei seien in Bereichen wie Telekommunikation, Logistik und Dienstleistungen, in denen Ingenieure immer häufiger eingesetzt werden, weibliche Stärken wie Teamfähigkeit und Kooperationsbereitschaft besonders gefragt.

Erst am Dienstag hatte der jährlich erscheinende Bildungsreport der OECD den Naturwissenschaften in Deutschland im Gymnasialbereich sowie den Ingenieurswissenschaften an den Hochschulen ein ausgesprochen schlechtes Zeugnis ausgestellt. Gerade Frauen trauen sich kaum, in diese Bereiche vorzustoßen. Ein positives Beispiel ist Monika Margis. Die Abiturientin, zusammen mit 500 anderen Schülerinnen vom Bildungsmisterium zur Berliner Informationsbörse eingeladen, ist an ihrem Gymnasium in Ahlsfeld das einzige Mädchen im Physik-Leistungskurs - neben mal gerade fünf weiteren Jungen. Von Ingenieurswissenschaften hat sie bisher "zu wenig" gehört, und das Ingenieurinnenbild, das Bulmahn in bunten Farben zeichnete ("kommunikativ, kooperativ, nicht in der Produktion eingesetzt"), war ihr verborgen geblieben. "Was Tüftlerisches" soll es für sie sein, aber richtig überzeugt klang das auch nicht.

Trotzdem zeigte sich die Ministerin "etwas optimistischer als noch vor einigen Jahren", denn auf die Ingenieurinnenkampagne, die ihr Ministerium im Dezember startete und deren zentrale Veranstaltung die Informationsbörse ist, seien mehr Reaktionen gekommen als erwartet - "bis zu 2000 Anrufe und Zugriffe auf die Internetseite pro Tag." Die Misere im Schulbereich will sie mit "Informations- und Motivationshilfen für die Lehrer" bekämpfen, musste aber zugeben, dass es sich um "ein Bohren dicker Bretter" handle, das nicht von heute auf morgen Ergebnisse liefere.

Das gilt ebenfalls für die Unternehmen. Gerade mal sechs beteiligen sich an der Informationsbörse "Meet.ing" (neben zehn Verbänden und Universitäten). Anja Straubinger vom Philips-Konzern ist selbst Logistik-Ingenieurin und will mit ihrem Vorbild anderen Mädchen Mut machen, sich ebenfalls für ihren Beruf zu entscheiden. "Mädchen machen sich einfach zu viele Gedanken, ob sie das schaffen oder nicht. Männer sind da selbstbewußter." Bei ihrer täglichen Arbeit stellt die 31-jährige keine Unterschiede fest: "Viele Kollegen bewundern mich eher, dass ich mich durchgesetzt habe." Dem stimmt Birgit Graf nicht zu. Die Laboringenieurin arbeitet seit elf Jahren als einzige Frau zusammen mit zehn Männern an der Fachhochschule der Telekom in Leipzig. "Frauen müssen doppelt so gut sein wie Männer", weiss sie aus Erfahrung. Auch an der Telekom-FH liegt die Frauenquote im Studiengang Nachrichtentechnik bei nur zehn Prozent. Mit intensiver Werbung wie Flyer, die sich nur an Mädchen richten, oder Sommerunis speziell für Abiturientinnen soll sie mittelfristig auf zwanzig Prozent steigen. Die Informationsbörse in der TU ist ein erster Testlauf für die neue Strategie. Für die Anwerbung von Frauen gibt es nach Grafs Meinung auch einen triftigen Grund: Ingenieurinnen arbeiteten einfach "praktischer und anwendungsorientierter" als ihre Kollegen: "Männer sind viel zu verspielt."Die Informationsbörse "Meet.ing" findet heute noch von 10 bis 14 Uhr im Lichthof der TU, Straße des 17. Juni 135, statt. Informationen zur Ingenieurinnenkampagne auch unter www.be-ing.de .

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