Gesundheit : Bildungssystem: Ende für Gesamthochschulen

Bärbel Schubert

Alle fünf nordrhein-westfälischen Gesamthochschulen sollen nach den Empfehlungen des Landes-Expertenrats in Universitäten umgewandelt werden. Den 27 Fachhochschulen und Universitäten des Landes wird zugleich für die Zukunft eine enge Zusammenarbeit nahelegt. Insgesamt halten die Experten eine grundlegende Umgestaltung der NRW-Hochschullandschaft für notwendig. Schlecht ausgelastete Studiengänge besonders in den Ingenieurwissenschaften sollen geschlossen und die Lehrerausbildung grundlegend umgestaltet werden. Alle Hochschulen sollen aber erhalten bleiben. Kultusministerin Gabriele Behler (SPD) kündigte bei der Präsentation des 650 Seiten starken Gutachtens am Dienstag in Düsseldorf Konsequenzen bis zum Sommer an. Gewünscht werden mehr Effizienz sowie die Vermeidung von Doppelangeboten an benachbarten Hochschulen.

Die Empfehlungen wurden mit Spannung erwartet, weil das Gremium hochrangig besetzt ist und NRW bundesweit die meisten Hochschulen hat. Vorsitzender des Rats ist der ehemalige Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Hans-Uwe Erichsen.

Tiefe Einschnitte um insgesamt 20 bis 30 Prozent der Studienplätze empfiehlt das Gremium bei den Ingenieurwissenschaften. Die Untersuchung zeigt teilweise Auslastungen deutlich unter 50 Prozent. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Hochschulen. So schwankt die Auslastung im personalstärksten Studiengang Maschinenbau an den Universitäten zwischen 27 Prozent in Essen und 71 Prozent in Aachen. An den Fachhochschulen zwischen 40 Prozent in Bochum und 74 Prozent am Niederrhein. Insgesamt sind die Ingenieurwissenschaften an beiden Hochschularten in NRW stark vertreten. So entfällt mit 4485 Stellen fast jede vierte Professur an den Universitäten (ohne Medizin) auf die Ingenieurwissenschaften. An den Fachhochschulen ist es mehr als jede zweite.

Die Experten rechnen zwar wegen der Arbeitsmarktentwicklung mittelfristig mit einem Wiederanstieg der Studienanfängerzahlen in den Ingenieurwissenschaften um ein Drittel - gemessen am Tiefstand zwischen 1996 und 1998. Bei den Bauingenieuren wird dagegen ein weiterer Rückgang prognostiziert. Als Konsequenz rät die Kommission zu "einschneidenden Kapazitätseinschnitten" an einzelnen Standorten statt zu einer gleichmäßigen Kürzung an allen Standorten.

Lehrer als Master

Besonders ausführliche Empfehlungen gibt die Expertenkommission zur Umstrukturierung der Lehrerausbildung ab. Die Empfehlung, dass die Universitäten Bonn, Düsseldorf und Bochum künftig keine Lehrerausbildung mehr anbieten sollen, rief umgehend den Protest der Hochschulen hervor. Insgesamt soll das Lehrerstudium künftig so angelegt werden, dass es auch auf andere Berufe hin ausbildet, "um breite berufliche Einsatzmöglichkeiten der Absolventinnen und Absolventen zu gewährleisten und damit die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen", heißt es in dem Gutachten. "Der Berufswechsel zwischen Schuldienst und außerschulischer Praxis würde erleichtert. Damit kann einem frühzeitigen Ausbrennen der Lehrerinnen und Lehrer mit der Folge von frühzeitiger Pensionierung und dadurch bedingter Belastung der öffentlichen Haushalte vorgebeugt werden. Es kann aber auch vermieden werden, dass sich Lehrerkollegien etablieren, deren Mitglieder auf Grund ihres Werdeganges auf eine rein schulbezogene Sicht fixiert sind." Auch auf Schwankungen bei der Lehrereinstellung könne man so leichter reagieren.

Die Entscheidung für oder gegen den Lehrerberuf soll dann erst nach einem Abschluss als Bachelor fallen. Bachelor- und Masterstudiengänge mussen noch entwickelt werden. Dabei wird auch auf entsprechende Ausbildungsgänge im europäischen Ausland verwiesen. Den deutschen Universitäten werden Versäumnisse bei der Lehrerausbildung vorgeworfen, die dort "nicht den ihr zukommenden Stellenwert" bekommen habe. Grundsätzlich soll die Lehrerbildung aber an den Universitäten verbleiben, hieß es aus dem Ministerium.

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