Gesundheit : Biomedizin: Stammzellen für die Medizin nutzen

Adelheid Müller-Lissner

Am Donnerstag letzter Woche hatte die Nachricht für Aufregung gesorgt, dass außer dem Bonner Neuropathologen Oliver Brüstle weitere deutsche Forscher beabsichtigen, embryonale Stammzellen nach Deutschland zu importieren. Am gleichen Nachmittag, beim Berliner Symposium "Humane Stammzellen - Ressource für neue Therapien?", war davon aber zunächst kaum die Rede. Bei der Veranstaltung, zu der das Biomedizinische Forschungszentrum der Charité Campus Virchow eingeladen hatte, wurde ausschließlich Forschung vorgestellt, die mit adulten Stammzellen auskommt. Diese Vorläufer der spezialisierten Zellen aus Knochenmark, Haut, Leber oder Gehirn können noch in vielerlei Richtungen gelenkt werden, sind dafür aber wahrscheinlich nicht solche Tausendsassas wie die Zellen, die aus Embryonen gewonnen wurden.

Zum Thema Online Spezial: Die Debatte um die Gentechnik Gerd Kempermann vom Max-Delbrück-Centrum in Berlin-Buch beschäftigt sich mit der Neubildung von Nervenzellen bei Maus und Mensch. Das ist ein Thema, das viele Wissenschaftler bis vor kurzem noch für absolut unmöglich gehalten hätten: Nervenzellen, so die Lehrmeinung, können im Lauf des Lebens zwar kaputt gehen, es kommen jedoch keine neuen hinzu. Der Mythos ist zerstört, seit mit modernen Verfahren gezeigt werden konnte, dass auch bei Erwachsenen neuronale Zellen neu entstehen.

Dazu passen andere Forschungsergebnisse: Nicht nur bei Mäusen, die im Wasser versuchen, eine Plattform auf kürzestem Weg anzusteuern, sondern auch bei Londoner Taxifahrern, die jahrelang im Großstadtdschungel Orientierung trainieren, vergrößert sich eine Region des Gehirns, die für räumliches Gedächtnis zuständig ist. Für Kempermann steht fest: "Das regenerative Potenzial, das neuronale Stammzellen zur Verfügung stellen, kann genutzt werden."

Therapien, die auf der Basis dieser Erkenntnisse entwickelt werden könnten, bestehen beileibe nicht immer gleich in der Transplantation dieser Zellen. Interessant ist zuerst einmal die Idee, den Stammzellen im Nervensystem des Patienten die Fähigkeit zur Regeneration zu erhalten oder sie dazu gezielt anzuregen.

Bei der Podiumsdiskussion ging es allerdings vorwiegend um embryonale Stammzellen. Ulrike Flach (FDP), Vorsitzende des Ausschusses Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung im Bundestag, vertrat die klare Meinung ihrer Partei: "Wir haben uns entschlossen, die Ethik des Heilens über den Schutz des Embryos in den ersten 14 Tagen zu setzen." Die SPD dagegen sei in dieser Frage gespalten, so Margot von Renesse (SPD), Vorsitzende der Enquête-Kommission Recht und Ethik in der modernen Medizin des Bundestages.

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