Gesundheit : Biometrie-Technik soll Terroristen fangen

Aber noch schlagen die Verfahren zu oft falschen Alarm

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Von Hubertus Breuer

Der nächste Terroranschlag kommt bestimmt, daran zweifelt in den USA niemand. Aber wo wird er stattfinden? Es ist eine unterschwellige, alltägliche Angst, mit der die Bürger leben. Doch lässt sich die Attacke vielleicht verhindern – mit neuesten Sicherheitstechniken, vom US-Verteidigungsministerium und Hunderten von Privatfirmen seit einem Jahr fieberhaft vorangetrieben. Insbesondere Mess- und Überwachungsgeräte sollen das Land sicherer machen.

Die Sorgen der Experten gelten in erster Linie den Sicherheitslücken an den Staatsgrenzen. Die Regierung will „intelligente Übergänge“ schaffen, die, bewacht von Hightech-Wärtern, die Verdächtigen zielsicher aus der Menge sieben. Nasa-Ingenieure haben deshalb erst kürzlich vorgeschlagen, Reisenden virtuell den Schädel aufzuklappen. Über den Schleusen vor Flugsteigen sollen neuroelektronische Sensoren Gehirnwellen und Herzfrequenzen messen.

Ein Computer gleicht die physiologischen Daten dann mit Strafregister, Reisegewohnheiten und Kreditinformationen ab. Fügt sich daraus unerwartet das Profil eines Prototerroristen, bitten Sicherheitsbeamte den Passagier diskret zur Seite. Nur: Die Gedankensensoren sind noch Zukunftsmusik – wie das technisch zu bewerkstelligen wäre, haben die Nasa-Forscher noch nicht ausgetüftelt.

Betriebsbereit ist hingegen die Erfindung des Psychiaters James Levine von der Mayo- Klinik im US-Bundesstaat Minnesota, der einen Lügendetektor besonderer Sorte einsetzen will – eine wärmeempfindliche Kamera. Mit ihr hat der Forscher Versuchspersonen, von denen einige vorsätzlich logen, in mehreren Testläufen untersucht. Die Lügner liefen dabei nicht gerade knallrot an, doch entlarvte sie meist der Anflug stärkerer Durchblutung um ihre Augen herum, denn dort ist die Haut besonders dünn. Die Erfolgsquote lag allerdings nicht höher als bei Polygrafen alter Schule: einem Fünftel aller Personen unterstellte die Maschine fälschlicherweise, sie würden flunkern. Der Apparat wird deshalb wohl Terroristen, die bei Gepäckabgabe lügen, ohne rot zu werden, von nervösen Pauschaltouristen am Flughafenschalter kaum treffsicher unterscheiden.

Projekte wie dieses, die noch mehr Vision als konkret umsetzbar sind, fallen derzeit in den USA auf fruchtbaren Boden. Zumal die US-Regierung bereit ist, Milliardenbeträge in die öffentliche Sicherheit zu investieren. Allein für die Flughafensicherheit sollen dem geplanten Ministerium für „Homeland Security“ (innere Sicherheit) schon bald sieben Milliarden Dollar zur Verfügung stehen – was die Kreativität von Unternehmern und Ingenieuren entsprechend beflügelt.

Zur Debatte stehen auch Kameras, die Passanten beobachten und die Gesichter mit den Visagen notorischer Verbrecher abgleichen. Ihre Hersteller, wie etwa die Firma Visionics in New Jersey, klagen heute, Atta hätte damit geschnappt werden können. Denn schließlich kreuzte der Suizidpilot, der seit August 2001 auf der Fahndungsliste stand, am 10. und 11. September vier Mal die Linse von Überwachungskameras. Doch obwohl das Big-Brother-Auge bereits vielerorts in Europa und USA über Massen wacht, hegen Kritiker berechtigte Zweifel an den elektronischen Wachhunden. Sie schlagen oft Alarm – aber es trifft fast immer die Falschen.

Die Zukunft der Biometrie liegt in den USA vorerst in einfacheren Anwendungen, etwa im Personalausweis oder einem Führerschein mit digital abgespeichertem Fingerabdruck. Technisch kein Problem: Ein Lesegerät übersetzt die Kuppengeometrie in einen Code und vergleicht ihn mit den Mikrochipdaten der Fahrerlaubnis. Indien setzt das System bereits massenhaft im Bundesstaat Gujarat ein. Die Hürde liegt im freiheitsliebenden Amerika in diesem Falle nicht auf technischer, sondern politischer Seite – Bürgerrechtler protestieren gegen einen Übergriff in die Privatsphäre.

Solche Beschwerden gelten natürlich nicht, wenn es um die Jagd auf die Waffen der Terroristen geht. Die USA haben seit dem 11. September an zahlreichen Stellen hoch empfindliche Geigerzähler installiert, um sich gegen nukleare Terroranschläge zu schützen. Die Sensoren stehen an strategischen Punkten in und um Washington, entlang der viele Tausende Kilometer langen Grenze im Süden und Norden oder bei Großereignissen. Entdeckt man da eine Bombe rechtzeitig, kann ein Spezialist sie womöglich in letzter Sekunde entschärfen.

Für einen Angriff mit Biowaffen sieht die Lage derweil nicht so gut aus. Verpackt, verschnürt oder verschweißt lassen sich die gefährlichen Substanzen kaum entdecken. Erst freigesetzt kann man sie sicher nachweisen, vorausgesetzt, dass ein Detektor den Giftstoff registriert. Die Frühwarnsysteme stecken technisch jedoch noch in den Kinderschuhen. Einige der Verfahren basieren auf Antikörpern, an die in der Luft wirbelnde Erreger andocken und biochemische Reaktionen auslösen sollen. Elektrisch gemessen, geben sie Alarm. Auch DNS-Chips sollen in naher Zukunft helfen, gefährliche Mikroben an ihrer genetischen Signatur zu erkennen. Bis diese Geräte wahren Schutz gewähren, wird es jedoch noch Jahre dauern.

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