Gesundheit : Biotechnik: Campus in Buch ist überfüllt

wez

Die deutsche Biotechnik hat in den letzten Jahren einen deutlichen Aufschwung zu verzeichnen. Gemessen an der Zahl der Unternehmen steht sie in Europa mittlerweile sogar an erster Stelle. Und inzwischen fließt viel Geld von Investoren in diese Zukunftstechnik. Die Firmen kommen mit dem Wachstum kaum hinterher. Vom eigenen Erfolg überrollt wurde man auch auf dem Biomedizinischen Forschungscampus in Berlin-Buch. Nun gibt es viel zu wenig Platz für neue Biotechnik-Firmen im Nordosten Berlins. "Der Campus platzt aus allen Nähten", sagt Werner Schößler, Geschäftsführer der Firma Imtec und Sprecher der Bucher Biotechnik-Unternehmen.

Schößler sieht Ausweichmöglichkeiten in nicht mehr genutzten Gebäuden des benachbarten Klinikums Buch. Doch würden Entscheidungen vom Senat "verschleppt". Das Klinikum Buch soll einen Neubau bekommen, noch wird aber ein privater Investor gesucht. Gudrun Erzgräber, Geschäftsführerin des Biotechnik-Campus, sieht sogar die Attraktivität des Standorts gefährdet: "Im Moment können wir Firmen, die sich bei uns ansiedeln wollen, kaum helfen."

Auf dem Bucher Medizin-Campus sind Universitätskliniken, Grundlagenforschung und private Firmen versammelt. Diese Mischung macht den Standort attraktiv. Waren 1992 noch weniger als 50 Mitarbeiter in Bucher Biotechnik-Firmen beschäftigt, sind es heute schon etwa 420. "Insgesamt arbeiten auf dem Campus 2000 Menschen", sagt Gudrun Erzgräber stolz. "Das sind fast so viele wie kurz nach der Wende." Kurz nach der Wende: also vor der "Abwicklung" der Bucher Akademie-Institute.

34 Biotechnik-Firmen gibt es auf dem Campus, 28 von ihnen sind in einem Neubau untergebracht. "Wir haben 12 000 Quadratmeter vermietet", sagt Frau Erzgräber. Inzwischen werden auf dem Forschungscampus zwei weitere Gebäude für Biotechnik-Firmen errichtet. Sie haben 6000 Quadratmeter Fläche und sollen im nächsten Frühjahr fertig sein. Ein dritter Neubau mit etwa 5500 Quadratmetern ist in Planung, aber nicht vor 2003 bezugsbereit. Doch all das genügt bei weitem nicht: "Wir benötigen 36 000 Quadratmeter." Buch werde in Deutschland als Biotechnik-Standort bereits hinter München-Martinsried und Heidelberg an dritter Stelle genannt. Als Gesamtregion steht Berlin-Brandenburg mit der Zahl seiner Biotechnik-Unternehmen sogar bundesweit an erster Stelle.

"Es stehen so viele Gebäude leer, aber es fallen keine Entscheidungen zur Freigabe durch den Senat", sagt Nalân Utku, Vorstandsvorsitzende der Firma Genpat 77. Die Unternehmensgründerin hat zehn Millionen Mark Kapital zur Verfügung und will die Zahl der Mitarbeiter bis zum Jahresende von 22 auf 35 vergrößern. Aber sie leidet unter Platzproblemen ebenso wie die Firma Atugen, die in Buch 30 Mitarbeiter hat, weitere 20 einstellen will und in verschiedenen Labors über den Campus verstreut ist. Auch Atugen-Vizepräsident Klaus Giese beklagt den Leerstand in Berlin: "Es gäbe genug Platz für die Biotechnik, aber der Senat fällt keine Entscheidungen."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben