Gesundheit : Biotechnik - populär und leicht verdaulich

Adelheid Müller-Lissner

Um in der Bioethik-Debatte mitreden zu können, muss man oft schwere Kost verdauen, und die ist, in Zeitungs-Häppchen serviert, nicht immer bekömmlich.

In dem Buch "Das populäre Lexikon der Gentechnik" (Eichborn Verlag, 463 Seiten, 24,90 Euro) stellen die beiden Journalisten, Thilo Spahl und Thomas Deichmann, selbst komplizierte Themen "von Allergie über Killerkartoffel bis Zelltherapie" verständlich dar.

Zum Thema Dokumentation: Die Debatte um die Stammzellen-Forschung
Stichwort: Embryonale und adulte Stammzellen
Aktuelles Beispiel: Stammzellen. Im Kapitel "Grundlagen" wird erklärt, wie sich embryonale und adulte Stammzellen unterscheiden und welche grundsätzlichen Hoffnungen sich mit ihnen verbinden.

Im Kapitel "Medizin" wird das genauer auf einzelne Organsysteme bezogen, später geht es um die ethische Problematik der Embryonenforschung. Die übersichtliche Gliederung macht das Buch auch als Nachschlagewerk tauglich.

Die Anwendung der Biotechnologie zur genetischen Veränderung von Pflanzen ist im Augenblick weniger akzeptiert als die "rote" Gentechnik, die der Gesundheit von Menschen zugute kommen könnte. Die Autoren erklären detailliert, worauf es bei den verschiedenen Eingriffen wirklich ankommt. Sie kritisieren die üblichen Sprachregelungen.

Dass von "Gen-Mais" oder "Gen-Rüben" die Rede ist, wenn in Nutzpflanzen ein zusätzliches Gen eingeschleust wurde, will ihnen nicht einleuchten. Schließlich sind Pflanzen natürlicherweise voller Gene. "Eine ausgewogene Mahlzeit kann etliche Milliarden Gene enthalten", heißt es.

Mit ihrer positiven Einstellung gegenüber Genforschung und -technologie halten die Autoren nicht hinterm Berg. Trotzdem stellen sie die Einwände der Kritiker fair dar. Und wo es um Datenschutz und Bürgerrechte geht, teilen die beiden Journalisten die Meinung der Kritiker auch.

Sie überschätzen weder die Gefahren noch die Möglichkeiten der neuen Technologie. Weil es nicht die Gene allein sind, die das Individuum ausmachen, wird ihrer Ansicht nach nie eine nennenswerte Gruppe von Menschen das Heil im "Designerbaby" suchen.

Weil andererseits nicht der technologische Fortschritt allein Krankheiten besiegen kann, werden wir Menschen weiter unter ihnen leiden. Denn wir sind "im sozialen Fortschritt bekanntlich weit langsamer als im technologischen - auch heute sterben noch jährlich Millionen von armen Menschen an Krankheiten, die medizinisch längst kein Problem mehr darstellen".

Ärgerlich ist allerdings, dass auf dem Buchumschlag 65 identische Babys abgebildet sind. So können Vorurteile entstehen, die das Buch eigentlich bekämpfen will: das Bild erweckt den Eindruck, das Klonen von Menschen sei das eigentliche Ziel der Gentechnik, und es könne schon morgen erreicht sein.

Tatsächlich meinen die Autoren, reproduktives Klonen werde "in keiner Weise zu einer nennenswerten Bedrohung" werden. Sie sagen aber auch, warum es sich trotzdem für plakative Statements und Bilder eignet: "Der Klon als identisches Duplikat ist so leicht mit der Vorstellung der industriellen Massenproduktion und der extremen Verdinglichung zu assoziieren, dass er sich hervorragend in allerlei bedrohliche Szenarien einbauen lässt."

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