Gesundheit : Bis an den Rand des Weltalls

Der britische Hofastronom Martin Rees in Potsdam

Dagny Lüdemann

Die Adelswürde ist diesem Mann ins Gesicht geschrieben. Die feinen aber verschmitzten Züge, das elegante weiße Haar – Sir Martin Rees zieht alle Blicke auf sich, noch bevor er ein Wort gesprochen hat. Und wenn er spricht, dann reinstes Oxford-Englisch.

Der Astrophysiker Sir Martin Rees ist einer der bekanntesten britischen Wissenschaftler. Die englische Königin adelte ihn 1995 zum Astronomer Royal. Auf Einladung des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik – und aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums von Einsteins Spezieller Relativitätstheorie – hielt Rees am Dienstag in Potsdam einen öffentlichen Vortrag über Kosmologie und Gravitation.

Was war vor dem Urknall? Wo endet der Kosmos? Gibt es Paralleluniversen? Rees führt das gebannte Publikum gleich zu Beginn seines Vortrags bis an die Grenzen des Vorstellbaren. „Mit dem Weltraumteleskop Hubble können wir Galaxien sehen, die zehn Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt sind“, sagt Rees, der in jeder dieser Galaxien Abertausende von Sternen vermutet, die wie unsere Sonne von Planeten umkreist werden. „Es ist wahnsinnig schwer, derart ferne Planeten zu beobachten. Man muss es sich vorstellen, als versuche man aus Abermillionen von Kilometern Entfernung die Erde vor der Sonne zu sehen“, erklärt der 62-Jährige. Der Betrachter wäre so geblendet, dass er nichts erkennen würde. Forscher versuchen bereits, Bilder solcher Planeten aufzunehmen. Sie könnten uns vielleicht schon bald Aufschluss darüber geben, ob auch anderswo im Universum Leben existiert.

„Obwohl wir etwa zehn Milliarden Lichtjahre in die Ferne blicken können, birgt der Kosmos Geheimnisse, denen wir uns noch keinen Millimeter genähert haben“, sagt Rees. „Direkt neben jedem von uns könnte eine parallele Welt bestehen – in einer unsichtbaren Dimension.“ Und auch innerhalb unseres Universums sind die meisten Phänomene unsichtbar.

Per Mausklick projiziert Rees ein Bild der entferntesten Galaxien an die Wand, die das Hubble-Weltraumteleskop bisher fotografiert hat. Interessanter als die Entfernung dieser Galaxien ist das, was man auf dem Bild nicht sieht. Wie von einem Strudel angezogen, bewegen sich die Galaxien auf ein unsichtbares zentrales Objekt zu, dessen Masse etwa zehn Mal so groß sein muss wie die der Sonne: ein Schwarzes Loch.

„Einstein hätte sich gefreut, so ein Foto zu Gesicht zu bekommen“, sagt Rees. Schon in den 1930er Jahren vermutete Einstein weitere Kräfte neben der Gravitation im Weltall. „Die Quantenphysik und die Relativitätstheorie sind die zwei wichtigsten wissenschaftlichen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts.“ Doch diese beiden Welten passen in der Theorie nicht zusammen. „Erst wenn es gelingt, den Mikrokosmos aus Atomen, Molekülen und Zellstrukturen gedanklich mit den Phänomenen des Kosmos in Einklang zu bringen, werden wir verstehen, was direkt nach dem Urknall geschah.“

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