Gesundheit : Bis Donnerstag soll boykottiert werden

Anja Schreiber

Keine vorweihnachtliche Besinnung sondern Streikstimmung machte sich gestern an der Freien Universität breit. Mit überwältigender Mehrheit stimmten die Studierenden für einen zunächst befristeten Besetzungsstreik, der sofort begann und bis einschließlich Donnerstag gehen wird. Laut Auskunft des AstA war die Vollversammlung, die in einem bis zum Bersten gefüllten Hörsaal in der Silberlaube stattfand, beschlussfähig. Dazu war eine Zahl von 2000 Studierenden notwendig, nämlich fünf Prozent der Studentenschaft. Damit beteiligen sich die Studenten an den EU-weiten Schüler- und Studierendenprotesten "gegen die neoliberale Umstrukturierungen der Hochschulen".

"Es reicht", donnerte Marek Schauer vom AstA den dicht gedrängt stehenden und auf dem Boden sitzenden Studenten entgegen. Bei Bibliotheken und wissenschaftlichem Personal werde gekürzt, Projekttutorien eingespart, viele Studierende müssten sich selbst aber zum Teil auch ihre Familien durch Jobs finanzieren. Aber auch die Weitergabe von Datensätzen im Rahmen der Rasterfahndung verurteilte Schauer. Auch von der sich anbahnenden rot-roten Koalition sei keine Besserung zu erwarten. Bald gebe es wohl auch "sozial gerechte Studiengebühren".

Des Weiteren kritisiert der AstA, das Bildungswesen werde zunehmend in die Hände der privaten Wirtschaft gelegt und der demokratischen Kontrolle entzogen. Bei der Diskussion über einen möglichen "Streik" wurde schnell klar: ein Boykott der Lehrveranstaltungen ist gewollt. Der enorme Applaus für einen OSI-Studenten, der den Boykott und die Besetzung des OSI ankündigte, zeigte das deutlich. Doch wiesen immer wieder Redner darauf hin, dass der "Streik" konstruktiven Charakter haben müsse und Platz für inhaltliche Diskussionen schaffen solle.

Am Donnerstag soll eine weitere Vollversammlung beschließen ob der Streik weitergeht. Nach knapp vier Stunden endete die Versammlung mit der Besetzung des Hörsaals in der Silberlaube. Heute morgen, 10 Uhr, soll das weitere Vorgehen in einer Vollversammlung besprochen werden. Am Nachmittag wollen sich die Studierenden an der Demonstration "Schüler und Studenten gegen Bildungssparen" um 17 Uhr vor dem Roten Rathaus beteiligen.

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