Gesundheit : Blaue Briefe ärgern Studenten

Anja Kühne

Blaue Briefe beunruhigen in diesen Tagen etwa 700 Studenten der Technischen Fachhochschule Berlin (TFH). In den Schreiben lädt das Prüfungsamt der Hochschule die Empfänger zu einem Gespräch ein. Der Anlass: Die Studenten haben gegen die Prüfungsordnung verstoßen, so dass ihnen jetzt die Zwangsexmatrikulation droht - es sei denn, sie können die Vorwürfe aus dem Weg räumen.

Das Verfahren entspricht zwar dem an der TFH bislang Üblichen, hat in diesem Semester beim Asta der Hochschule aber Empörung ausgelöst: Vor drei Semestern wurde die EDV der Hochschule wegen des 2000-Problems teilweise funktionsunfähig, so dass seitdem fast alle Studiendokumente, in denen die Hochschule den Studienverlauf der Studenten festhält, falsch waren. Die Studenten konnten aus ihren Dokumenten deshalb nicht mehr ersehen, ob sie im Begriff waren, erlaubte Prüfungsfristen zu überschreiten oder die zulässigen Wiederholungsversuche ausgeschöpft hatten, argumentiert die Studentenvertretung.

Einige Sekretärinnen der Fachbereiche seien seit dem Ausfall der EDV dazu übergegangen, die Studenten zu beschwichtigen oder hätten versehentlich falsche Auskünfte erteilt. Es sei für die Studenten aber ohnehin schon schwer, den Überblick zu behalten: "Wir müssen im Semester zehn Klausuren schreiben. Außerdem haben sich die Prüfungsordnungen ständig geändert", sagt Asta-Sprecherin Nadine Lucas.

So würden jetzt acht Prozent der TFH-Studenten böse überrascht: Nicht nur hätten viele in dem Glauben, sie würden doch noch zum Examen zugelassen, weiter studiert und dabei viel Zeit verloren. Auch beklagt der Asta, dass die Exmatrikulationen rückwirkend zum 30. September vergangenen Jahres ausgesprochen werden, so dass nun Rückzahlungen des Bafögs und Nachforderungen der Krankenkassen in Haus stehen. Nadine Lucas vom Asta fordert jetzt ein "Gnadensemester", in dem die säumigen Studenten Gelegenheit bekommen, ihre Scharten auszuwetzen.

Die für Studium und Lehre zuständige Vizepräsidentin der TFH, Monika Gross, räumt ein, dass es Aufregung um die Blauen Briefe gegeben habe: "Wir werden aber jeden Einzelfall peinlichst genau überprüfen." Die Probleme mit der EDV, die Verwirrung wegen der neuen Prüfungsordnungen und versehentliche Falschauskünfte von Sekretärinnen würden "nie zulasten der Studenten" gehen.

Die große Zahl der jetzt verschickten Blauen Briefe sei "nichts Aufregendes Neues, sondern Abarbeitung von Liegengebliebenem": "Erfahrungsgemäß wird der größte Teil der zum Gespräch eingeladenen Studierenden akzeptable Gründe vorweisen, durch die die Maßnahme abgewendet wird." Dass Bafög-Rückzahlungen fällig werden, glaubt Gross nicht: "Die, die überzogen haben, studieren schon so lange, dass sie kein Bafög mehr bekommen." Ohnehin hätten die Studenten keinen Anspruch auf eine Studiendokumentation: "Das ist ein Service von uns."

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