Gesundheit : Blinde hören besser

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Blinde Menschen, heißt es, haben ein besseres Gehör. Da sie sich in vielen Situationen ganz und gar auf ihr Ohr verlassen müssen, schärft sich der Hörsinn nach und nach – das konnten nun auch kanadische Forscher nachweisen. Wie sie im Fachblatt „Nature“ (Band 430, Seite 309) berichten, hören vor allem Menschen, die schon in frühester Kindheit erblindeten, um einiges besser als Sehende oder Menschen, die später blind wurden. Sie orientieren sich besser mit Hilfe des Schalls und können sogar einzelne Töne genauer unterscheiden, sprich: Wer als Kleinkind sein Augenlicht verloren hat, nimmt als Erwachsener Musik präziser wahr.

Die Forscher der Universität Montreal spielten ihren Testpersonen nacheinander zwei verschiedene Töne vor. Die Probanden sollten entscheiden, ob die Töne anstiegen oder fielen. Dann erhöhten die Wissenschaftler den Schwierigkeitsgrad, indem sie entweder die Dauer der Töne oder den Abstand zwischen den beiden Tönen verkürzten.

Es zeigte sich: Diejenigen, die sehr früh erblindet waren, schnitten in allen Tests besser ab als Sehende oder später Erblindete. „Je früher die Erblindung, desto besser die Leistung, was in Übereinstimmung mit der in jungen Jahren optimalen zerebralen Plastizität ist“, lautet das Fazit der Forscher in „Nature“: Je jünger das Gehirn, desto formbarer ist es – verliert man ein Sinnesorgan, werden die brachliegenden Hirnteile für andere Sinneseindrücke genutzt. bas

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