Gesundheit : Bloß nicht „diakoniedlich“

Bundespräsident Rau verleiht Preise im Schulwettbewerb „alle für eine Welt für alle“

Deike Diening

„Es ist ein Irrtum, zu glauben, wir könnten dauerhaft auf Inseln des Wohlstands leben“, sagt Bundespräsident Johannes Rau. Dem Leiter der Umwelt-AG eines Gymnasiums aus Schwäbisch Hall ist das nicht neu. Um den Hals von Manfred Sturm hängt eine Seidenmalerei-Krawatte mit Windrädern, einem Wassermühlrad und Windmühlenflügeln. Nun mag es zwar grundsätzlich ein Kampf gegen Windmühlen sein, für die Umwelt und die Entwicklungshilfe zu kämpfen, heute jedoch ist ein Erntetag für ihn und seine Schüler: Im ersten Schulwettbewerb des Bundespräsidenten „alle für eine Welt für alle“ haben sie den dritten Preis gewonnen. In der Andenregion Boliviens wollen Manfred Sturms Schüler einen Berg aufforsten, der 98 Fußballfelder groß ist.

Das ist vor allem erst einmal ein Berg Arbeit. Denn wenn Schüler versuchen, Geld einzutreiben, ist das eine vehement kleinteilige Aktion. Sie haben keine Unternehmen, besitzen keine Vermögen und verfügen nicht über Stiftungen. Sie stehen stattdessen auf dem Weihnachtsbasar und verkaufen Meisenknödelhalter. In die Summe fließen die Erlöse aus dem Verkauf der bemalten Seidenkrawatten mit den erneuerbaren Energien darauf, die sie zur Einweihung eines Windrades gemacht haben, das Kakaobecherpfand und auch ein nicht näher erläutertes „Bußgeld eines Umweltsünders“. Sie haben sich angewöhnt, Geldsummen in die Anzahl von Bäumen umzurechnen, die in Bolivien auf dem Berg das Klima verbessern sollen.

Die Jury sagte bei der Preisverleihung, sie sei „ständig sehr berührt“ gewesen von den vielen Ideen zu den Entwicklungsprojekten. 21 000 Schüler haben sich beteiligt. Als die Besten hat die Jury solche angesehen, die die Abhängigkeiten der Ersten von der Dritten Welt zeigen. Den ersten Preis gewann ein Film der Carl-Friedrich-Gauß-Schule in Hemmingen. Titel: „Ein Tag ohne die Dritte Welt.“ Es ist lustig, wie dem Hauptdarsteller mit einem Knall jeweils die Produkte aus der Dritten Welt abhanden kommen. Wie er ohne Hosen dasteht, ihm der Reifen platzt und der Kaffee verschwindet.

Einen zweiten Preis hat eine Astronomie-AG aus Lippstadt gewonnen, die mit Hilfe einer Partnerschule in Kapstadt nach den Methoden des griechischen Mathematikers Eratosthenes die Entfernung zum Mond gemessen hat. Die beiden Messpunkte müssen möglichst weit voneinander entfernt sein. Für sich allein sind beide Messungen wertlos. Erst zusammen gelingt die Erkenntnis.

Bundespräsident Johannes Rau war froh um den Humor in dem Film und die Wissenschaftlichkeit der Astronomie-AG. Er wollte auf keinen Fall, dass der Wettbewerb „so diakoniedlich“ wird. Rau verriet bei dieser Gelegenheit, dass seit seiner Amtszeit in seinem Schloss nur noch fair gehandelter Tee, Kaffee und Schokolade serviert wird. Da spendeten die Schüler dem Präsidenten Applaus.

Die Siegergruppen des Wettbewerbs nutzten ihren Aufenthalt in Berlin, um noch schnell eine Sudan-Resolution an den Deutschen Bundestag zu verabschieden. Darin fordern sie zusätzliche humanitäre Hilfe für das Bürgerkriegsland und seine Flüchlinge – und Sanktionen gegen die sudanesische Regierung, die nichts gegen das mörderische Treiben bewaffneter Milizen gegen Zivilisten unternimmt.

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