Gesundheit : Blutabnahme mit einer Raubwanze statt mit Spritze

Monika Rößiger

Zwei Biologen vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin haben eine Methode entwickelt, um Tieren Blut abzunehmen, ohne sie in Stress zu versetzen. Statt einer Kanüle benutzen sie eine mexikanische Raubwanze. Dipetalogaster maxima, das bis zu zwei Zentimeter große Insekt, erweist sich als perfekte Laborassistentin. Sie hat im Laufe der Evolution gelernt, Blut abzunehmen, ohne dass ihr Opfer es merkt. Möglich ist das mit Hilfe eines Stech- und Saugrüssels, der nach Angaben der Berliner Forscher Christian Voigt und Ruth Thomsen „30-mal feiner ist als eine herkömmliche Kanüle“.

Für Zoo- und Wildtierforscher wird diese Methode von großem Vorteil sein. Wenn sie zum Beispiel etwas über die Fruchtbarkeit ihrer Tiere wissen wollen, müssen sie ihnen bisweilen Blut abnehmen, um die Hormonwerte messen zu können. Allerdings verursachen das Einfangen der Tiere und der Piks mit der Nadel oft ziemlichen Stress. „Und der kann die Hormonwerte beeinflussen oder sogar verfälschen“, erklären Voigt und Thomsen.

Die Wanze dagegen könne man unauffällig in den Tierkäfig einschmuggeln. Hungrig, wie sie ist, saugt sie sich voll, fällt von ihrem Wirt ab und kann dann wieder eingesammelt werden. Das Blut wird ihr hinterher mit einer Hohlnadel aus der Bauchhöhle entnommen; das schwarze Insekt bleibt am Leben.

An Hauskaninchen testeten die Forscher diese Methode parallel zur herkömmlichen. „Die Werte des Stresshormons Kortisol waren niedrig, wenn wir die Wanzen zuerst einsetzten“, sagt Voigt . „Und hoch, wenn wir die Kanüle zuerst benutzten.“ Weitere Proben fanden mit Hühnern, Singvögeln und Fledermäusen statt. Anwendungsmöglichkeiten kommerzieller Art sehen die Forscher nicht nur in der Veterinärmedizin, sondern vor allem in der Pharmaindustrie, wenn Versuchstieren Blut abgenommem werden muss.

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