Gesundheit : Brände bedrohen eine botanische Schatzkammer

Roland H. Knauer

Südafrikas Park am Tafelberg beherbergt die einmaligen ProteaRoland H. Knauer

Fynbos heißt die typische Vegetation eines der sechs Pflanzenreiche, in die Botaniker den Globus aufteilen. Kaum jemand kennt den Namen, die Pflanzen aus diesem "feinblättrigen Wald" aber hat wohl jeder bereits einmal in Blumensträußen und auf der Fensterbank gesehen: Charakteristisch ist die Paradiesvogelblume oder Strelitzie, aber auch Geranien und Gerbera kommen aus dem Fynbos. Rot, rosa, gelb und weiß blühen mehr als sechshundert Heidekrautarten der Gattung Erica hier, der Rest der Welt muss mit gerade einmal 26 Arten vorlieb nehmen. Und doch stammt diese Fülle aus dem mit Abstand kleinstem Pflanzenreich der Welt, das die südlichsten Gebirge und Küstenebenen Afrikas in der Nähe des Kap der Guten Hoffnung überzieht.

Faltengebirge riegeln die Kapregion vom Rest Afrikas ab, so dass sich hier ein einmaliges Ökosystem entwickeln konnte. 15 000 bis 20 000 Arten von Blütenpflanzen wachsen hier, mehr hat auch der riesige Regenwald im tropischen Herzen des dunklen Kontinents nicht aufzuweisen. Allein der Tafelberg beherbergt auf einer Fläche von der knappen Größe Münchens mehr Blütenpflanzenarten als ganz Großbritannien. Die Lebensräume vieler Arten sind sehr klein, manche wachsen einzig auf einer Fläche, die nicht größer ist als ein halbes Fußballfeld.

1998 hat Nelson Mandela in diesem einmaligen Gebiet den Cape Peninsula National Park proklamiert und ihn gleichzeitig als Südafrikas "Geschenk an die Erde" deklariert. Der WWF-Südafrika sorgt mit dem von den Vereinten Nationen und der Weltbank kräftig aufgestocktem Tafelberg-Fonds für die langfristige Finanzierung dieses dreihundert Quadratkilometer großen Reservates. Und der World Wide Fund for Nature (WWF) hat die Kapregion zu einer der Global 200-Regionen deklariert, die mit aller Kraft der Nachwelt erhalten werden sollen und die auf der Expo 2000 der Welt vorgestellt werden.

Denn gefährdet ist diese Region stark. Immer häufiger brennen Siedler die rund sieben Meter hohe, lockere Vegetation aus Bäumen und Sträuchern ab, die an die Macchie genannte Pflanzenwelt vieler Mittelmeer-Regionen erinnert. Sie wollen Platz für Siedlungen und ihre mageren Weiden schaffen und brennen dafür die Hartlaubgewächse mit ihren glänzenden, behaarten oder nadelförmigen immergrünen Blättern nieder. Nur mit solchen Formen überstehen die Gewächse Sommerhitze und Trockenzeiten.

Die einmaligen Protea-Pflanzen mit ihren rosafarbenen, artischocken-ähnlichen Blüten mit bis zu dreißig Zentimetern Durchmesser und die farbenprächtigen Nadelkissen-Proteen, die es nur hier gibt, verschwinden im Feuer. Damit verliert auch der Nektarvogel seine Nahrungsquelle, der mit einer dünnen, weit vorstreckbaren Zunge in einem langen, gebogenem Schnabel an Protea- und Erikablüten saugt. Zwar gehören Brände seit Urzeiten zum Ökosystem der Kapregion. Aber der Mensch zündelt oft zur falschen Jahreszeit und lässt so das Feuer zur ökologischen Katastrophe werden.

Obendrein haben die Siedler Kiefern aus dem Mittelmeergebiet, sowie Akazien und Eukalyptus-Bäume aus Australien in den Süden Afrikas eingeschleppt. Sie breiten sich rapide aus und verdrängen den Fynbos an immer mehr Orten. So könnte die Strelitzie und die Königsprotea bald nur noch auf den Blumenbeeten und in den Gewächshäusern zu Hause sein und die dichten Gestrüppe aus Erica, derben Strickgrasgewächsen und anderen Hartlaubsträuchern auf den Hochplateaus und den küstennahen Ebenen könnten für immer verschwinden. Das wäre das Ende des kleinsten und üppigsten Pflanzenreiches der Welt.Aus der Serie WWF: Schützenswerte Gebiete der Erde, Teil 2

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