Brustkrebs-Früherkennung : "Ein guter Tag"

Noch haben nicht alle deutschen Frauen zwischen 50 und 69 Post bekommen. Bis Ende 2008 sollen die Einladungen zur Mammographie vollständig versendet sein.

Adelheid Müller-Lissner

Seit März haben die Einrichtungen zur Röntgen-Brustkrebs-Früherkennung überall die Arbeit aufgenommen.

„Für mich als Frau ist das ein ganz guter Tag“, sagte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt am Rande der Tagung „Mammographie-Screening in Deutschland – Erfahrungen und Perspektiven“ in Berlin. Für ihren Wunsch, ein solches Programm zur Reihenuntersuchung (Screening) einzuführen, seien die Erfahrungen aus den Niederlanden wichtig gewesen. „Als ich dann Ministerin wurde, dachte ich, das geht jetzt ganz schnell, weil ich es selber zu entscheiden habe.“

Ganz schnell kann ein solches Vorhaben jedoch schon deshalb nicht umgesetzt werden, weil es nicht ohne Tücken ist. Schließlich wird hier eine große Gruppe gesunder Frauen einer Strahlenbelastung ausgesetzt. Auch wenn sie für die erforderlichen vier Röntgenaufnahmen nur bei vier MilliSievert liegt und damit etwa der natürlichen Hintergrundstrahlung entspricht, der man innerhalb von drei Monaten ausgesetzt ist, müssen die Untersuchungen zuverlässig sein. Nur unter dieser Bedingung hat die Strahlenschutzkommission der Durchführung des Screening-Verfahrens zugestimmt.

Als zweite Voraussetzung forderten die Strahlenexperten eine sorgfältige begleitende Auswertung der Ergebnisse. „Die Mammographie ist schließlich nicht irgendeine Untersuchungsmethode, sondern eine, von deren Nutzen man überzeugt sein muss, um sie in dieser Form einzusetzen“, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel bei der Tagung. Auch deshalb, weil das Programm pro Jahr bis zu 300 Millionen Euro kosten wird.

Für Deutschland fehlt bisher der Beweis eines Nutzens. Bei der Einführung konnte man sich jedoch auf internationale Studien stützen. Drei deutsche Vorhaben, die seit 2001 liefen, lieferten zudem indirekte Hinweise auf den Nutzen. So wurden pro 1000 Teilnehmerinnen mehr als 7,5 Erkrankungen gefunden. Ohne Screening waren es 2,5. Zusätzlich entdeckt werden vor allem kleinere Tumoren. „Bei ihnen ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie schon im Körper gestreut haben, wesentlich geringer“, sagte Jan Sebastian Graebe-Adelssen von der Kooperationsgemeinschaft Mammographie.

Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, hofft, dass durch das Screening jedes Jahr bis zu 3000 Brustkrebs-Todesfälle vermieden werden können. Derart optimistische Prognosen setzen eine Teilnahmerate von über 70 Prozent voraus. Derzeit liegt die Quote bei 57 Prozent.

Auch an der Aufklärung, die eine fundierte Entscheidung ermöglicht, hapert es noch. Die Frauen sollten wissen, dass die Mammographie Unruhe in ihre Leben bringen kann. Weil Auffälligkeiten entdeckt werden können, die sich später als harmlos herausstellen. Und dass das Screening den Besuch beim Frauenarzt nicht ersetzt. „Wir stellen fest, dass die Einladungen überarbeitungsbedürftig sind“, gab Ulla Schmidt zu.

0 Kommentare

Neuester Kommentar