Gesundheit : Brustkrebs soll früher erkannt werden

Adelheid Müller-Lissner

Der Kongress hat sich auf ein einziges Organ spezialisiert: 1500 Fachleute treffen sich von heute bis Sonnabend im Berliner Estrel Convention Center, um über Erkrankungen der weiblichen Brust zu sprechen. Dabei wird es bei der 21. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie - der Lehre von der weiblichen Brust - vor allem um Brustkrebs gehen, an dem jährlich allein in Deutschland 46 000 Frauen neu erkranken.

Wird der Knoten in der Brust früh erkannt, steigen die Heilungschancen drastisch. Als zuverlässigste Form der Früherkennung bezeichnet die Kieler Radiologin Ingrid Schreer die Mammografie. Deshalb kann es die Vorsitzende der Senologen-Gesellschaft nur gut heißen, dass auch die Gesundheitspolitiker inzwischen fordern, dass Frauen zwischen 50 und 70 eine Röntgen-Reihenuntersuchung bekommen. Diese Altersgruppe ist am stärksten von Brustkrebs bedroht.

An den drei Modellprojekten des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen zum Mammografie-Screening, die inzwischen in Bremen, Wiesbaden und dem Weser-Ems-Gebiet angelaufen sind, missfällt Schreer jedoch einiges. So seien weder Tastuntersuchungen der Brust noch gezielte zusätzliche Ultraschalluntersuchungen sowie Gespräche mit dem Arzt vorgesehen.

Im Rahmen einer "Konzertierten Aktion zur Brustkrebs-Früherkennung in Deutschland" haben sich die Senologen schon vor zwei Jahren auf ein umfassenderes Programm geeinigt. "Die Mammografie ist Teil einer Diagnose-Kette, die nur so gut sein kann wie ihr schwächstes Glied", so der Marburger Gynäkologe und Zweite Vorsitzende Klaus-Dieter Schulz. Der Frauenarzt gehört zu diesem Team, aber auch der Pathologe. Er kann anhand der Gewebeproben nicht nur die Grundlagendiagnose stellen, sondern auch Prognosen über den Verlauf der Krankheit machen sowie Hinweise für die Therapie liefern, wie Kongresspräsident Manfred Dietel von der Charité erklärte.

Wie gut die Glieder ihrer Versorgungs-Kette wirklich sind, sollen die betroffenen Frauen bald selbst besser beurteilen können. Im Frühjahr 2002 soll durch eine für Laien geschriebene Leitlinie für Transparenz gesorgt (näheres unter www.senologie.org), sowie mit der Zertifizierung von Zentren begonnen werden. "Die Europäischen Richtlinien müssen Basis für Deutschland sein", fordert Schreer. Dazu gehöre vor allem, dass alle Befunde von einem zweiten Arzt bestätigt werden und eine umfassende Dokumentation erstellt werde. "Wir sind gar nicht so schlecht, aber das können wir noch nicht beweisen."

In drei Nachmittags-Veranstaltungen wollen sich die Brustspezialisten am Tagungsort den Fragen der Frauen stellen: Heute um 17 Uhr 30 geht es um Früherkennung, morgen um die gleiche Zeit um die Frage "Wo erhalte ich die für mich wichtigen Informationen?", und am Sonnabend um 15 Uhr stehen "Hormone und Krebs" auf dem Programm.

0 Kommentare

Neuester Kommentar