Gesundheit : BSE: Frühtest in Sicht?

aml

Gibt es zum Thema BSE und Creutzfeldt-Jakob-Krankheit endlich auch gute Nachrichten aus Großbritannien? In der neuen Ausgabe des Fachblatts "Nature Medicine" (März 2001) berichten Forscher um Gino Miele und Michael Clinton vom Roslin Institut in Schottland über eine Entdeckung, die in absehbarer Zeit zu einem Test auf die Prionenkrankheiten in leicht zugänglichem Gewebe, möglicherweise sogar im Blut, führen könnte.

Fündig wurden die Wissenschaftler nicht etwa im Gehirn, wo die gefürchteten krankhaften Veränderungen stattfinden, sondern in der Milz von Mäusen und Hamstern. Die Forscher gingen dabei von der Überlegung aus, dass sich die Krankheitserreger in Milz, Rachenmandeln und Lymphknoten vermehren, bevor sie ins Gehirn gelangen. Was in den Strukturen auf Zellebene nach einer Infektion genau geschieht, ist jedoch noch wenig verstanden.

Grafik: Wie sich BSE im Körper ausbreitet

Die Schotten entnahmen zunächst gesunden und im Labor infizierten Nagern Gewebeproben. Dann verglichen sie die "Abschriften" der Gene ("RNS-Transkripte"). Unter 10 000 verschiedenen "Textabschnitten" wurden sie tatsächlich fündig. Und das berraschenderweise in Zellen, die man bisher nicht mit BSE in Verbindung gebracht hatte, nämlich in Vorläuferzellen der roten Blutkörperchen.

Die auffällige Gen-Abschrift enthält die Bauanleitung für das Eiweiß EDRF. Dieses Protein fördert wahrscheinlich die Bildung roter Blutkörperchen. Infizierte Nager bilden es nur in drastisch verringertem Umfang.

Welche Rolle EDRF bei den Krankheiten mit schwammartigen Hirnveränderungen spielt, liegt aber noch im Dunkeln. Ähnliche Ergebnisse erbrachten aber auch Bluttests bei Schafen, die mit Scrapie infiziert waren sowie Tests am (blutbildenden) Knochenmark von BSE-infizierten Rindern. Es könnte sein, dass eine BSE-Infektion die Produktion von EDRF auf indirekte Weise hemmt. Umso rätselhafter ist es da, dass EDRF im Gehirn - dem "Ziel" des BSE-Erregers - überhaupt nicht gebildet wird.

Wie der Prionenforscher Adriano Aguzzi vom Neuropathologischen Institut der Universität Zürich kommentiert, ist vor allem das Ergebnis des Rinder-Tests eine Überraschung: Denn im Gegensatz zu Schafen, die an Scrapie erkrankt sind, konnten bisher weder im Lymphgewebe noch im Knochenmark von Kühen jemals veränderte Prionen nachgewiesen werden. Rätselhaft ist deshalb, auf welchem Weg die Infektion dort zur gefundenen Verminderung der EDRF-Bildung führt.

Zahlreiche Fragen sind offen: So muss noch geklärt werden, wo genau der Zusammenhang zwischen der veränderten Gen-Expression und der Prioneninfektion zu suchen ist. Unklar ist außerdem, in welchem Stadium der Infektion die Veränderung erstmals messbar ist. Wie Aguzzi meint, besteht aber die Hoffnung, dass ein Test den Befall feststellen könnte, bevor die krankhaften Prionen überhaupt das Gehirn erreicht haben. Das würde die Chancen auf eine Behandlung der neuen Creutzfeldt-Jakob-Variante beim Menschen erhöhen.

Noch aber ist noch nicht einmal sicher, ob die Aktivität des betreffenden Gens auch beim Menschen erniedrigt ist, welche Schwankungsbreite beim Gesunden vorkommt und ob die Veränderung nicht auch bei ganz anderen Krankheiten auftritt. Aguzzi ist jedoch optimistisch, was die Lichtung des Nebels betrifft: "Angesichts des augenblicklichen öffentlichen und wirtschaftlichen Interesses an Prionentests und des Wunsches nach einem Bluttest werden die Antworten auf diese Fragen schnell kommen."

0 Kommentare

Neuester Kommentar