Gesundheit : Bummelzug nach Bologna Erst 20 Prozent

neue Studiengänge

Uwe Schlicht

Im Mai kommenden Jahres wird in der norwegischen Hafenstadt Bergen die nächste Bologna-Nachfolgekonferenz stattfinden. Der Leiter der Bologna-Nachfolgegruppe, Per Nyborg vom Ministerium für Bildung und Forschung in Oslo, war jetzt zur Vorbereitung der Konferenz in Berlin und betonte: Trotz aller Vorbehalte in Hochschulen und Wirtschaft gegenüber den neuen Bachelor- und Master-Studiengängen sollten sich alle Hochschulen und Länder in Europa damit abfinden, dass bis zum Jahre 2010 die Umstellung vollzogen sein müsse. In den Ländern, die bisher von einem Minimum von sechs Jahren Studiendauer bis zum ersten akademischen Abschluss ausgegangen sind, bereite die Umstellung auf das zweistufige System mit Bachelor und Master jedoch Schwierigkeiten.

Ob Deutschland in der Lage sein wird, bis zum Jahr 2010 seine Studiengänge so gut wie komplett auf Bachelor und Master umzustellen, ist jenseits aller politischen Absichtserklärungen eine offene Frage. Das verdeutlicht ein Zahlenvergleich, den der Leiter der internationalen Abteilung der Hochschulrektorenkonferenz, Christian Tauch, vorlegte. Seit 1998, als das Hochschulrahmengesetz Bachelor und Master juristisch absicherte, sind erst 2124 neue Studiengänge eingerichtet worden. Das sind etwas mehr als 20 Prozent von über 9000 Studiengängen in Deutschland. Wie in den verbleibenden sechs Jahren 80 Prozent der herkömmlichen Studiengänge auf Bachelor und Master umgestellt werden können, bleibt ein Rätsel.

Auf der Konferenz der europäischen Bildungsminister in Bergen wird die Frage eine zentrale Rolle spielen, wie länderübergreifend die Qualität der neuen Studiengänge gesichert werden kann. Bei einem Wechsel des Studienortes oder vom Bachelor- zum Masterstudium sollte die Institution über die Anerkennung der Qualifikation eines Bewerbers entscheiden, an der der Student sein Studium fortsetzen will. Zur Zeit sei zu befürchten, dass die meisten Institutionen in solchen Fällen nicht ähnliche Qualifikationen verlangen, sondern identische Qualifikationen. Ohne größere Toleranz in diesen Fragen werde die notwendige Mobilität unter den europäischen Ländern, die am Bologna-Prozess teilnehmen, nicht gelingen, erklärte Nyborg.

Derweil denken die europäischen Bildungsminister schon über die Reform der Hochschulausbildung hinaus: Die EU-Kommission verlangt, wie Per Nyborg bekannt gab, eine Rahmenvereinbarung für die Lehrlingsausbildung oder die berufliche Bildung in Europa.

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