Gesundheit : Bundesforschungsministerium: Bulmahn fördert Biotechnologie mit 1,85 Milliarden Mark

Bas Kast

"Wir wollen die Biotechnologie an den Bedürfnissen der Menschen orientieren." Mit diesen einleitenden Worten stellte Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn am Mittwoch in Berlin ihr neues Programm zur Förderung von Bio- und Gentechnologie für die nächsten fünf Jahre vor. Die Bundesregierung werde die Möglichkeit "voll nutzen", die Grundprinzipien des Lebens zu erforschen und diese Erkenntnisse zur Bekämpfung von Krankheiten, Verbesserung der Lebensbedingungen und Schonung der Umwelt einzusetzen.

Dazu gehöre nicht nur die von weiten Kreisen der Bevölkerung akzeptierte "rote Gentechnik"; sie nutzt gentechnologische Methoden für medizinische Anwendungen. Auch die "grüne Gentechnik", die sich auf die Verbesserung von Pflanzen richtet, solle unterstützt werden. "Ich halte es für ein sinnvolles Ziel, Pflanzen zu entwickeln, die robuster sind", sagte Bulmahn. Damit entstünde etwa die Möglichkeit, am Einsatz von Pestiziden zu sparen. Ebenfalls könne, entgegen der weit verbreiteten Vorstellung, die Gentechnik würde die Vielfalt des Lebens einschränken, durch sie Vielfalt auch gesichert werden. Außerdem wurden Tierversuche bereits mit neuen Methoden der Biotechnik verringert.

Es könne "keine Rede" davon sein, dass die grüne Gentechnik auf Eis gelegt werden solle, sagte die Ministerin. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte gestern überraschend seine Unterstützung für ein vereinbartes Forschungsprogramm von Wissenschaft und Wirtschaft zur grünen Gentechnologie zurückgezogen. Grund sei die BSE-Krise und die dadurch verursachte Verunsicherung in der Bevölkerung bei Verbraucherfragen. Das Programm hatte unter anderem das Ziel, genetisch veränderten Mais anzubauen, um anschließend das Funktionieren und die Wirkung auf die Umwelt zu prüfen. Bulmahn sagte, es gebe "keinen Dissens" zwischen ihr und dem Kanzler. Der Rückzug sei keine Absage an die grüne Gentechnik, sondern bedeute lediglich, dass groß angelegte "kommerzielle Freisetzung" nicht stattfinden würde. Nach der derzeitigen "Neuorientierung in der Verbraucherpolitik" würden, davon ging Bulmahn aus, die Gespräche wieder aufgegriffen.

Für ihr eigenes Biotechnologieprogramm werden in den nächsten fünf Jahren 1,5 Milliarden Mark an Forschungsgeldern zur Verfügung gestellt. Hinzu kommen 350 Millionen Mark aus UMTS-Mitteln für das nationale Genomforschungsnetz. Damit erhöhen sich die finanziellen Mitteln von 1998 bis 2003 um 123 Prozent. Die Hauptziele der Förderung bestehen in dem Aufbau eines nationalen Genomforschungsnetzes, in das auch die klinische Forschung einbezogen werden soll. Zweitens soll die Nachwuchsförderung gestärkt werden, damit, so Bulmahn, der Biotechnologie nicht ein ähnliches Schicksal widerfahre wie der IT-Branche. Außerdem will die Ministerin die Unternehmensgründung im Bereich Biotechnologie unterstützen, um neue Biotech-Firmen und damit Arbeitsplätze zu schaffen.

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