Centrum für Regenerative Therapien : Die Anwendung steht ganz oben

Das Centrum für Regenerative Medizin setzt auf neue Heilmethoden.

Uwe Schlicht

Die Politiker haben das erste Berlin-Brandenburgische Centrum für Regenerative Therapien als großen Schritt nach vorn gefeiert. Geht es doch um die Zusammenarbeit gleich mehrerer Riesen: Der Großforschungseinrichtung des Bundes, der Helmholtz-Gemeinschaft mit der Charité und dem Chemieunternehmen BayerSchering. 23 Forschergruppen arbeiten in dem Centrum mit Forschern in Dresden, Leipzig und Hannover zusammen. Und die drei Berliner Universitäten sowie die Universität Potsdam sind auch dabei. 40 Millionen Euro stehen dem Centrum in den ersten vier Jahren zur Verfügung.

Der Sprecher des Centrums, Professor Hans Dieter Volk von der Charité, stellt das Ziel heraus: „Uns geht es darum, Produkte zu entwickeln, die wirklich am Patienten angewendet werden können. Weil wir am Ende Produkte auf den Markt bringen wollen, werden wir sehr eng mit Biotech-Unternehmen kooperieren.“ Damit ordnet sich dieses Vorhaben in den Cluster Gesundheitswissenschaften ein, der als Zukunftskonzept für die Region Berlin-Brandenburg auch von den Politikern und der Wirtschaft akzeptiert worden ist. Um welche großen Themen geht es? Zum Beispiel um Knochenbrüche, Erkrankungen der Leber, des Immunsystems oder um Herz-KreislaufSchwächen.

Warum heilt ein Knochenbruch bei dem einen Patienten schnell und komplikationslos und bei dem anderen sehr schwer und langwierig? In der Charité will man diesem Phänomen durch einen gezielten Modellvergleich auf die Spur kommen. Das Problem beginnt beim Bluterguss, dem Hämatom, das einen Knochenbruch umgibt. Im Hämatom werden die Stammzellen schlecht versorgt, und es herrschen keineswegs Bedingungen, die ein rasches Wachstum von Stammzellen fördern, erklärt Professor Georg Duda. Oder werden die Zellen gerade durch die schlechten Ausgangsbedingungen zu ihrem Energieeinsatz stimuliert?

Zwei Ziele verfolgt die Arbeitsgruppe um Professor Duda: Sie möchte Erkenntnisse gewinnen, um vorhersagen zu können, warum es bei bestimmten Patienten zu einem schnellen und bei anderen zu einem erschwerten Heilungsverlauf kommt. Wenn die Forscher systematisch erkannt haben, wie aus dem Gewebe Knochen werden, dann könnte man vielleicht eine Blaupause für einen Heilungsprozess gewinnen, der auch für andere Organe von Bedeutung wäre.

Die Erkrankung der Leber gehört weltweit zu den häufigen Todesfällen. Da es für die Transplantationsmedizin an genügend Spenderorganen fehlt, arbeitet die Charité daran, Stammzellen zu entwickeln, die sich für eine zeitweilige klinische Anwendung außerhalb des Körpers eignen. Zunächst geht es dabei um eine Leberunterstützung von außen. Aber auch die Produktion von Leberzellen in Bioreaktoren ist das Ziel. Man möchte auf diesem Weg Zelltherapien entwickeln, die zur Selbstheilung der erkrankten Leber beitragen. An diesem Projekt arbeiten Katrin Zeilinger und Professor Jörg Gerlach.

Eine andere Gruppe forscht an einer zellbasierten Behandlung des Schlaganfalls: Bei einer Schädigung des Gehirns kommt es zu einer umfangreichen Wanderung von Zellen aus dem Knochenmark in die geschädigten Hirnbereiche. Dort erfüllen sie die Aufgabe, die Reste abgestorbener Nervenzellen zu beseitigen. Die Knochenmarkszellen sind jedoch so vielfältig, dass sie sich auch zu vollwertigen Nervenzellen und Gliazellen entwickeln und auf diese Weise den Verlust durch den Schlaganfall ausgleichen können. Genetisch modifizierte Zellen sollen in das durch den Schlaganfall geschädigte Gehirn eingeführt werden. Zunächst wird das im Tierversuch erprobt. Daran arbeiten Professor Ulrich Dirnagl und Professor Josef Priller.

Ebenso spielt die Frage eine Rolle: Wie kann man verhindern, dass bei Virusinfektionen die Immunantwort überschießt und sich gegen den eigenen Körper wendet? Und es geht auch um das Phänomen, warum bei bestimmten Patienten Viruserkrankungen schwer und chronisch verlaufen und bei anderen nicht. Besonders in der Transplantationsmedizin darf die Immunabwehr gegen das eingepflanzte Organ nicht so stark werden, dass sie dieses zerstört. An diesen Fragen arbeitet die Gruppe von Professor Petra Reinke. Uwe Schlicht

Kontakt: Internet www.b-crt.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar