Gesundheit : Charité: Neue Vorwürfe gegen Vorstand Der Forschungsdekan geht – mit heftiger Kritik

Tilmann Warnecke

Die Charité kommt nicht zur Ruhe. Cornelius Frömmel, Forschungsdekan der Charité, wechselt zum 1. September als Vorstandssprecher und Dekan zur Universitätsmedizin in Göttingen – und verabschiedet sich mit heftiger Kritik am Management der Charité. Es bedürfe eines „deutlich verbesserten Managements in Lehre, Forschung und bei der Krankenversorgung“. So klappe die „ zentrale Bereitstellung entscheidungsrelevanter Daten“ nicht. Die Charité bräuchte „leistungsfähige Kommunikationsstrukturen“. Die vom Vorstand geplanten betriebsbedingten Kündigungen und der aktuelle Einstellungsstopp würden viele Wissenschaftler verunsichern. „Wenn man keine Verlässlichkeit bieten kann, gehen die Besten“, sagt Frömmel.

Der Charité-Vorstand muss von 2010 an jährlich 212 Millionen Euro einsparen. Um die Sparpläne gibt es seit Wochen Streit. Dabei geht es vor allem um die 44 Millionen Euro, die Mitarbeiter durch Lohnverzicht aufbringen sollen. Nachdem Tarifverhandlungen im Mai gescheitert waren, kündigte der Vorstand 1500 betriebsbedingte Kündigungen an. Wie man ohne Kündigungen und Lohnkürzungen die Summe einsparen kann, sagt Frömmel nicht. Der Vorstandsvorsitzende Detlev Ganten wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Frömmel fordert zudem, den Vorstand der Charité zu erweitern. Mit nur drei hauptamtlichen Mitgliedern sei der Vorstand „überlastet“: „Bei den Dimensionen der Charité ist die Arbeit so nicht machbar“, sagt Frömmel. Seitdem der Senat 2003 die Berliner Hochschulmedizin unter dem Dach der Charité zusammenfasste, gilt die Charité mit einem Jahresetat von mehr als einer Milliarde Euro als größtes Uniklinikum Europas. Die Fusion will Frömmel aber nicht wieder rückgängig machen: „Die Charité hat sehr wohl eine Chance.“

Seine Kritik sei aber nicht der Grund für seinen Wechsel nach Göttingen, sagt Frömmel. Ihn reize die Aufgabe, dort verantwortlich gestalten zu können. Das Uniklinikum Göttingen ist etwa halb so groß wie die Charité. Frömmel wird in Niedersachsen die Position einnehmen, die Ganten in Berlin hat. Als Sprecher des Vorstandes der Hochschulmedizin fungiert er praktisch als deren Chef – und hat wie der Charité-Vorsitzende nur zwei hauptamtliche Vorstandskollegen.

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