Gesundheit : Columbus bereit fürs All

Weltraumlabor in Bremen an europäische Raumfahrtagentur übergeben

Eckhard Stengel

Ein Mädchen mit Zöpfen winkt mit einem Taschentuch gen Himmel und wünscht dem neuen europäischen Weltraumlabor „Columbus“ viel Glück. Diese Szene auf einem Werbeplakat des Eads-Konzerns und der Europäischen Raumfahrtagentur Esa eilt der Wirklichkeit etwas voraus: Columbus, der zentrale Beitrag der Europäer zur Internationalen Raumstation ISS, startet noch lange nicht ins All, um an der ISS anzudocken.

Aber immerhin wurde am Dienstag „ein wichtiger Meilenstein erreicht“, wie Evert Dudok bei dem Festakt in Bremen sagte: Der Präsident des Raumfahrtunternehmens Eads Space Transportation (Bremen) übergab das Hightech-Produkt an den Auftraggeber Esa. Die Kosten des Projekts: 880 Millionen Euro finanziert von europäischen Steuerzahlern.

Ein goldener Schlüssel, wie man ihn aus dem Bremer Wappen kennt, symbolisierte die Übergabe. „Das ist der Schlüssel zur Innovation“, sagte Esa-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain.

Von den nächsten beiden Schritten auf dem Weg ins All steht nur einer bereits fest: Am 29. Mai wird Columbus von Bremen aus zur Startrampe der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa in Florida gebracht. Dann beginnt das Bangen: Kann das Labor wie geplant im Herbst 2007 mit einer US-Raumfähre zur ISS gebracht werden – oder gibt es wieder Probleme mit den Space Shuttles?

Eigentlich sollte Columbus schon längst um die Erde kreisen. Als die Eads 1996 – damals noch als Dasa – die Regie für den Bau übernahm, war 2002 als Termin anvisiert. Realistischer schien dann der Herbst 2004, aber auch das klappte nicht, denn der Absturz der US-Raumfähre Columbia im Februar 2003 brachte den Aufbau der ISS ins Stocken.

Nasa-Vizechefin Shana Dale gab sich jetzt in Bremen optimistisch: Sie hoffe auf einen Starttermin in der zweiten Hälfte 2007. Immerhin sei Columbus in der Warteliste etwas vorgerückt.

An dem europäischen Gemeinschaftswerk sind 28 Firmen aus zehn Ländern beteiligt. Die äußere Hülle, die an eine riesige Dose oder ein Zementsilo erinnert, kommt aus Turin. Sie ist acht Meter lang und hat einen Durchmesser von 4,50 Metern. Den Einbau der Ausrüstung und die Funktionstests übernahm Eads.

Gedacht ist das Labor nicht nur für Grundlagenforschung, etwa in der Medizin und den Materialwissenschaften, sondern auch für praxisbezogene Versuche. Dabei geht es zum Beispiel um Werkstoffe oder Flüssigkeiten, die sich in der Schwerelosigkeit besser verschmelzen oder vermischen lassen als auf der Erde. Auch mit Zellen, Gewebekulturen und Mikroorganismen soll experimentiert werden. Gerade die Materialwissenschaften seien „ein ganz wichtiger Bereich, von dem wir uns auch wirtschaftlich viel versprechen“, sagte der Vorstandschef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Sigmar Wittig.

Der Absturz der Raumfähre Columbia brachte auch die Termine des deutschen Astronauten Thomas Reiter durcheinander. Er wird frühestens im Juli die derzeit nur zweiköpfige ISS-Besatzung verstärken – 400 Kilometer über der Erde. Reiter, im blauen Esa-Overall, warb in Bremen für die bemannte Raumfahrt: Da Experimente im All oft nicht so liefen wie geplant, müssten Menschen eingreifen können.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte in Bremen die Ausgaben für die Raumfahrt, die in Deutschland zur Zeit fast 700 Millionen Euro pro Jahr betragen und nun leicht steigen sollen. Ohne den Weg ins All gäbe es wahrscheinlich keine Satelliten-Kommunikation, keine CD-Spieler und keine Teflon-Beschichtung, meinte die CDU-Politikerin. Die Raumfahrt habe aber auch „symbolische Kraft“. Columbus sei ein „faszinierendes Beispiel“ dafür, was Spitzentechnologie mit hohem deutschen Anteil leisten könne – und diene der internationalen Zusammenarbeit.

Und dann wurden am Ende des Festakts tatsächlich noch Taschentücher geschwenkt: nicht nur von Schulkindern oben auf der Bühne, sondern auch von den Ehrengästen einschließlich Merkel. Sie trug allerdings eine rot-schwarze Kombination und kein hellblaues Kleid wie das Mädchen auf dem Werbeplakat.

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