Gesundheit : Comeback der Stammzellen

Deutsche Forscher blicken auf Kalifornien

Adelheid Müller-Lissner

„Schwarzenegger ist mein Held“, sagt der Biologe Hans Schöler. Der Wissenschaftler meint weder die sportliche noch die schauspielerische Vergangenheit, sondern einen aktuellen politischen Erfolg des Gouverneurs von Kalifornien. Im Sonnenstaat der USA wurde nämlich in einem Volksentscheid gerade die „Vorschlag 71“ angenommen. Innerhalb von zehn Jahren werden damit drei Milliarden Dollar für Stammzellforschung zur Verfügung stehen.

Der Geldsegen wäre schon ein Grund, neidisch in den Westen der USA zu blicken, meinte der Schöler, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster am Mittwoch bei einem Forum der Deutschen Gesellschaft für Regenerative Medizin.

Hier haben sich Vertreter verschiedener Fachgruppen zusammengetan, die sich der Wiederherstellung funktionsgestörter Zellen, Gewebe und Organe widmen. Ein weites Feld: Ein Weg ist der biologische Ersatz, etwa durch Gewebe, das im Labor gezüchtet und dann in den menschlichen Körper verpflanzt wird. Ein zweiter sind künstliche Materialien, etwa eine Hüftprothese, die so ausgestattet werden, dass sich vor Ort Zellen schnell mit ihnen verbinden und sie in den Organismus integrieren. Am meisten Aufsehen erregt aber sicher das Konzept, im Körper selbst durch den Einsatz von Stammzellen Reparaturvorgänge anzustoßen. „Solche Therapien könnten eines Tages die Dauereinnahme von Medikamenten bei Krankheiten wie Diabetes überflüssig machen“, hofft Frank Emmrich, Direktor des Instituts für klinische Immunologie und Transfusionsmedizin an der Uni Leipzig.

Problematisch sei für die Forscher allerdings die Rechtsunsicherheit. Das bestätigte Schöler, der sich fragt, ob man etwa einem britischen Kollegen Tipps für die Arbeit mit embryonalen Stammzellen geben darf, mit denen in Deutschland nicht gearbeitet werden dürfte. „Wir möchten schließlich nicht das Gefühl haben, mit einem Bein im Gefängnis zu stehen.“ Die deutsche Stichtagsregelung, die nur die Arbeit mit embryonalen Stammzellen zulässt, die vor dem 31.12. 2001 gewonnen wurden, sei keine gute Grundlage, meinte auch Detlev Ganten, Vorstandsvorsitzender der Charité. Er warb für einen europäischen Konsens.

Der werde in einer so sensiblen Frage nicht so leicht zu finden sein, meinte dagegen Wolf-Michael Catenhusen, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Schon die verschiedenen Vorstellungen der Religionen darüber, ab wann „Menschsein“ beginne, seien zu unterschiedlich. „Konsense halten nicht, wenn sie nicht kulturell verankert sind.“ Dabei seien gesetzliche Rahmenbedingungen nur „Verständigungen auf Zeit“, auch in der Frage der embryonalen Stammzellen. „Wenn sich eine klinische Perspektive ergeben sollte, stellen sich grundlegend neue Fragen auch für die Gesetzgebung.“ Die Debatte um ethische Fragen könne also „wieder virulent“ werden, sobald es beim Thema Stammzellen ganz real um Heilung von Krankheiten geht.

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