Gesundheit : Cyanid-Katastrophe: Trinkwasser ist noch verseucht - Rumäniens Goldwäsche arbeitet wieder

Kathrin Lauer

Knapp ein halbes Jahr nach der Cyanid-Katastrophe im rumänischen Bergbau wartet die Bevölkerung in der Unglücksregion Baia Mare noch immer auf die Lösung der gravierenden Umweltprobleme. Das Unglück Ende Januar dieses Jahres, bei dem durch den Bruch eines Klärbeckens in der Goldwaschanlage "Aurul" giftige Cyanide in die Theiß und Donau gelangten und dort ein dramatisches Fischsterben auslösten, erregte internationales Aufsehen.

Doch nun ist der Rummel vorbei und in drei Monaten könnte die Goldwaschanlage, die zur Hälfte der australischen Firma Esmeralda gehört, wieder voll in Betrieb genommen werden. Bereits vor einem Monat erteilten die rumänischen Behörden eine vorläufige Betriebsgenehmigung, so dass "Aurul" wieder mit 20 Prozent seiner Kapazität arbeitet. Ende September wollen die Behörden alles noch einmal unter die Lupe nehmen, bevor sie definitiv grünes Licht geben. Davor hat der WWF jetzt erneut gewarnt.

"Aurul" müsse zunächst im Wesentlichen eine sichere, umweltverträgliche Abflussmöglichkeit für die im Unglücksbecken gelagerten giftigen Klärschlämme schaffen. Damit soll verhindert werden, dass diese erneut überschwappen und in die Flüsse gelangen können, wie bei dem Unglück im Januar. Damals hatten ungewöhnliche Mengen an geschmolzenem Schnee und Regenwasser den Pegel übermäßig steigen lassen. Bisher wurde jedoch lediglich der Deich um die Anlage um einen Meter erhöht.

Die für die Genehmigung zuständige Kommission aus Umwelt-, Bau- und Wasserschutzbeamten ist nun der Meinung, "Aurul" habe zufrieden stellende Lösungen für technische Verbesserungen vorgelegt. Zudem sei die erneute Inbetriebnahme notwendig, da sich die Anlage in einer schwierigen finanziellen Situation befinde - die Arbeitsplätze von 1500 Bergleuten seien in Gefahr. Vor der vorläufigen Genehmigung waren auch die Bauern aus der Umgebung angehört worden, deren Brunnen ebenfalls durch Cyanide verseucht worden waren. Ihnen wurden Entschädigungen versprochen.

Über das Stadium von Planungen und Versprechungen sind auch die Projekte zur Verbesserung der Trinkwasserqualität noch nicht hinaus gekommen. Die besonders betroffene Bevölkerung im Dorf Bozanta, das dicht an der Unglücksstelle liegt, soll Wasser aus dem Netz der Kreisstadt Baia Mare bekommen. Die Weltbank stellte Mittel in Aussicht, ebenso die Regierung, doch fehlen konkrete Baupläne. Bis zu der vom WWF geforderten Sanierung aller Altlasten des jahrhundertelangen Bergbaus in der Region dürfte der Weg dementsprechend weit sein. Immerhin ist bei Baia Mare der Boden zum Teil einen Meter tief mit Schwermetallen verseucht.

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