Gesundheit : Da lachen die Affen im Dschungel

Kinder entdecken Sprache: eine Bildungsinitiative von Microsoft Deutschland und Partnern

Gerlinde Unverzagt

Vier kleine Affen sitzen in einer Reihe, sie zappeln ein bisschen und deuten immer wieder auf ihren Bauch. Aus dem umliegenden Dschungel befördert die fünfjährige Janina ein A, ein F und E mit dem Cursorstift auf die Affenbäuche, doch erst als das zweite F auch noch gefunden und platziert ist, ertönt Jubel bei den Affen. „Du hast es geschafft!“ tönt der Oberaffe am unteren Bildrand, und alle Affen sehen jetzt sehr glücklich aus.

Für Kitas in sozialen Brennpunkten

Die vier kleinen Tischcomputer im Foyer der Kreuzberger Kindertagesstätte werden von Kindern zwischen drei und sechs Jahren belagert. Es wird geklickt, getippt, gedaddelt, was das Zeug hält. Nebenan, im Lichthof des Gebäudes, erklärt Jürgen F. Gallmann, Leiter vom Microsoft Deutschland, wie sein Unternehmen Vorschulkindern den Spaß am Lesen- und Schreibenlernen näherbringen will. „Schlaumäuse - Kinder entdecken die Sprache“ heißt die Bildungsinitiative von Microsoft Deutschland zusammen mit Unicef, dem Berliner Cornelsen Verlag, dem Bundesmodellprogramm „E&C – Entwicklung und Chancen junger Menschen in sozialen Brennpunkten“ und der ComputerLernWerkstatt der Technischen Universität Berlin, die das Projekt wissenschaftlich begleiten wird.

Von 250 Bewerbern wurden 100 Kindergärten ausgewählt, die viele Kinder aus sozial benachteiligten oder bildungsferneren Elternhäusern und Migrantenfamilien betreuen. Jeder der 100 ausgewählten Kindergärten erhält einen Tablet PC inklusive Modem und Drucker, Lehr- und Begleitmaterial für Erzieher und Eltern sowie die dazugehörige Lernsoftware, die von Pädagogen der ComputerLernWerkstatt eigens entwickelt wurde. Integriert sind Teile der preisgekrönten Lernsoftware „LolliPop“ des Cornelsen Verlags sowie der Wunderbär von Unicef. Im Herbst 2003 werden die Erzieher in einem zweitägigen Workshop lernen, wie der Computer dem Kind beim Lesen- und Schreibenlernen helfen kann. Außerdem werden Microsoft-Mitarbeiter Patenschaften für einzelne Kindergärten übernehmen und nicht nur PC-Spielstunden gestalten, sondern sie werden auch noch für ihre Kindergärten da sein, wenn das Projekt nach zwei Jahren ausläuft.

Bundesfamilienministerin Renate Schmidt hat die Schirmherrschaft übernommen - „und zwar sehr gern“, betont sie, obwohl sie anfangs abgewehrt habe: „Um Himmels willen, bloß keine Vercomputerisierung der frühen Kindheit.“ Mittlerweile habe sie sich überzeugen lassen, dass diese Aktion den Kindern nutze und nicht einem Hersteller einschlägiger Produkte. Bildungschancen im frühen Kindesalter ungenutzt zu lassen, könne sich die Gesellschaft nicht mehr leisten, sagt die Ministerin: „Wir müssen Nachteile ausgleichen, damit nicht die soziale Herkunft das Kriterium für Lern- und Lebenschancen bleibt.“ Sprachliche Kompetenz in Wort und Schrift sei der Dreh- und Angelpunkt für alles weitere.

Mit der Flüstertüte schreiben

In der Schlaumäuse-Software werde der Stoff „nicht dargeboten, sondern angeboten, das Kind nicht belehrt, sondern angeregt“, sagt TU-Professorin Barbara Kochan. Natürlich brauche man dazu keinen Computer, das könne man auch mit Stift, Papier und im Gespräch leisten. Doch Kindern, denen zu Hause Anregungen zum Schreiben und Lesen fehlen, komme die Software sehr entgegen. Es sei leichter zu tippen als zu schreiben, und am Bildschirm lasse sich besser gemeinsam arbeiten. Ein Beispiel für die „lautorientierten Elemente“ der Lernsoftware sei die „Flüstertüte“: Was das Kind auf den Bildschirm schreibt, wird gleich akustisch wiedergegeben, und das Kind lernt so leichter bestimmte Buchstaben mit bestimmten Lauten in Verbindung zu bringen. Die Wissenschaftlerin sagt: „Je besser sich die Verbindung zwischen Laut und Zeichen einprägt, desto leichter fällt das Lesen- und Schreibenlernen später.“

Mehr Informationen im Internet:

unter www.schlaumauese.de . Eltern und Erzieher können sich dort informieren, austauschen und kostenlos Software herunterladen

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