Gesundheit : Das Angebot der Sternwarten in und um Berlin zum Ereignis

tdp

Die für die Wissenschaft wohl bedeutendste totale Sonnenfinsternis ereignete sich vor 80 Jahren. Der englische Astronom Arthur Stanley Eddington harrte ihrer am 29. Mai 1919 auf einer Kokosplantage auf der Insel Principe vor der westafrikanischen Küste. Die Sonne stand zum Zeitpunkt der Finsternis schnurgerade vor einem leuchtenden Sternhaufen, den Hyaden. Als sich der Mond vor die Sonne schob und das grelle Tageslicht ausblendete, wollte Eddington überprüfen, ob Albert Einsteins Thesen richtig waren: ob nämlich die Lichtstrahlen der Sterne auf ihrem Weg zur Erde von der Sonne abgelenkt werden.

Eddington drohte allerdings das zu widerfahren, was die Teilnehmer von Finsternis-Expeditionen am meisten fürchten: Das Wetter war schlecht, eine dichte Wolkendecke verhängte den Himmel. Im rechten Moment allerdings riss die Wolkenfront für ein paar Sekunden auf. Eddington nutzte die kurze Spanne, um zwei Aufnahmen zu machen. Diese Bilder sollten die Allgemeine Relativitätstheorie vollauf bestätigen und Einstein mit einem Schlage zu Weltruhm verhelfen.

Heutzutage schicken Forschungseinrichtungen kaum mehr Finsternis-Expeditionen in die Welt hinaus. Auch nicht am traditionsreichen Sonnenobservatorium Einsteinturm in Potsdam. "Die meisten von uns beobachten die Sonne zwar schon seit Jahrzehnten, haben aber noch nie eine totale Sonnenfinsternis miterlebt", sagt Professor Jürgen Staude, Leiter der Arbeitsgruppe optische Sonnenphysik.

"Das große Interesse an Sonnenfinsternissen ist heute von wissenschaftlicher Seite aus nicht mehr da", bestätigt sein Kollege Horst Balthasar und verweist auf einen Trick, mit dessen Hilfe die Forscher jederzeit eine maßgeschneiderte Sonnenfinsternis simulieren können: Eine kleine, kreisrunde Blende im Fernrohr genügt, den Mond zu ersetzen und die Sonnenscheibe zu verdunkeln. Dann kommen - wie bei dem Naturschauspiel - die weiter außen liegenden Regionen der Sonne, die Chromosphäre und die Korona, zum Vorschein. Was machen also die Sonnenforscher am kommenden Mittwoch, wenn es in München oder Stuttgart mitten am Tage plötzlich Nacht wird? Müde gähnen, während unsereins im Erlebnisrausch gen Süden fährt?

Mitnichten! Am Einsteinturm herrscht am Mittwoch beinahe gähnende Leere. Auch die Wissenschaftler möchten sich das Ereignis nicht entgehen lassen. Jürgen Staude hat Feldstecher und Teleskop im Gepäck und verfolgt die Finsternis von Österreich aus. Die Berge versprechen eine gute Sicht. Die meisten seiner Kollegen fahren nach Süddeutschland oder ans Schwarze Meer.

Horst Balthasar hält unterdessen die Stellung. "Ich werde in Potsdam bleiben und von hier aus allen Interessenten die partielle Sonnenfinsternis zeigen", sagt er. "Allerdings wird es hier - im Gegensatz zu Süddeutschland - nicht richtig dunkel werden." Die teilweise Bedeckung der Sonne werde er im Freien mit Hilfe eines Projektionsspiegels sichtbar machen.Die Demonstration auf dem Telegrafenberg (Information unter Tel: 0331 - 288 23 31) beginnt gegen 11 Uhr 21 und erreicht den Höhepunkt um 12 Uhr 39. Um 13 Uhr 59 ist das Schattenspiel vorbei.

Am Zeiss-Großplanetarium (Telefon: 42 18 45 12) gibt es zur Einstimmung bereits um 9 Uhr einen Vortrag. Ab 11 Uhr 15 wird der Finsternisverlauf im Planetariumssaal mit Video-Einspielungen und Übertragungen aus der Totalitätszone erläutert.

Die Archenhold-Sternwarte in Treptow (Tel. 534 80 80) lässt ab 10 Uhr berühmte Finsternisse in der Geschichte Revue passieren. Ab 11 Uhr 21 kann die Finsternis an verschiedenen Instrumenten der Sternwarte beobachtet werden. Dazu gibt es Video-Einspielungen und Kurzvorträge.

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