Gesundheit : Das Auge im Blick

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Am Ende fehlte Christian Hartmann vor allem der Operationssaal. Für den Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Charité war das trotz aller anderen Pflichten das wichtigste: seinen Patienten helfen zu können. Sie wieder richtig sehen zu lassen. Seine eigene Krankheit machte ihm das am Schluss unmöglich.

Hartmann gehörte zur neuen Generation der CharitéChefärzte, die nach der Wiedervereinigung ans Ruder kam. 1993 übernahm er, nach 15 Jahren an der Kölner Universitätsklinik, den Leitungsposten am traditionsreichen Standort Mitte der Charité. Hier hatte rund 130 Jahre zuvor Albrecht von Graefe gelehrt, der Begründer der modernen Augenheilkunde. 1996 wurde Hartmann auch die Leitung der Augenklinik des Virchow-Klinikums übertragen. Die Fusion von Ost und West glückte, was alles andere als selbstverständlich war.

Seit seinen wissenschaftlichen Wanderjahren in Paris setzte Hartmann sich für eine Zusammenarbeit mit französischen Augenärzten ein. Er lenkte die Kooperation und sorgte dafür, dass man gemeinsam Tagungen veranstaltete. Zwischen der Charité und der Pariser Universitätsmedizin entwickelte sich eine Zusammenarbeit. So wurde Hartmann zu einem Vorreiter der europäischen Idee in der Medizin. Als ersten deutschen Augenarzt nahm man ihn in die französische Ehrenlegion auf.

Wissenschaftlich galt Hartmanns Interesse dem vorderen Augenabschnitt und damit dem „Volksleiden“ grauer Star (Linsentrübung, Katarakt) und Krankheiten an der Hornhaut, dem „Fenster“ des Auges. Hartmann setzte sich für die Hornhautverpflanzung ein und baute eine Hornhautbank auf.

Für den Tagesspiegel war der gebürtige Düsseldorfer ein wichtiger Gesprächspartner, dessen ausgewogenes und fundiertes Urteil über neue Entwicklungen in der Augenheilkunde Gewicht hatte.

Am 13. April ist Hartmann nach langer schwerer Krankheit gestorben. Er wurde nur 56 Jahre alt. Hartmann hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. wez

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