Gesundheit : Das Auto der Zukunft läuft mit Waschpulver im Tank

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Von Rolf Froböse

„Die größten ungelösten Fragen betreffen nicht die Brennstoffzelle, sondern den Treibstoff“, bringt Thomas Moore die Herausforderung der Automobilindustrie auf den Punkt. Moore ist Vizepräsident der Unternehmensgruppe Technische Forschung und Entwicklung bei Daimler-Chrysler. Es geht um die Suche nach technisch praktikablen Lösungen für die Speicherung von Wasserstoff.

Daimler-Chrysler, Ford, Fiat, Audi und Opel arbeiten seit Jahren an Kraftfahrzeugen mit Brennstoffzellenantrieb, bei denen reiner Wasserstoff in Druckbehältern bei 200-300 bar zum Einsatz gelangt. Mit Flüssigwasserstofftanks beschreitet BMW dagegen einen gänzlich anderen Weg. Dieses Konzept verzichtet auf die Mitführung voluminöser und schwere Druckbehälter, wobei die technische Herausforderung in der Tankisolierung besteht. Schließlich soll möglichst wenig von dem minus 253 Grad kalten Energieträgers möglichst verdunsten.

Mit Hilfe eines chemischen Wasserstoffspeichers hat Daimler-Chrysler jetzt ein neues Konzept vorgestellt. Ein vor kurzem im kalifornischen Sacramento vorgestellter Chrysler Minivan bezieht seinen Energievorrat aus einem mitgeführten Reaktor, der die chemische Verbindung Natriumborhydrid als stabile alkalische Lösung enthält.

Durch Eintauchen eines Katalysators wird Wasserstoff „nach Bedarf“ freigesetzt. Das dabei entstehende Natriumborat, das früher als Waschpulver verwendet wurde, ist nicht giftig und kann nach vollständiger Umsetzung wieder mit Wasserstoff beladen werden, so dass wieder Natriumborhydrid entsteht.

Damit das System funktioniert, sind zwei Tanks erforderlich. In dem ersten befindet sich eine frische alkalische Lösung von Natriumborhydrid, während der zweite die entstehende Boratlösung aufnimmt, die bei jeder Betankung abgelassen werden muss. Angaben von Daimler-Chrysler zufolge konnte der Minivan auf Testfahrten mit einer einzigen Füllung eine Strecke von rund 500 Kilometern zurücklegen. Dies sei signifikant höher als die Reichweite bisheriger Konzepte auf der Basis von Brennstoffzellen und entspreche der Reichweite gewöhnlicher Benzin- oder Dieselmotoren.

Für andere Automobilhersteller kommt der Vorstoß des Daimler-Chrysler-Konzerns nicht überraschend. „Auch wir beschäftigen uns mit der Speicherung von Wasserstoff“, sagt Juliane Wolf, Referentin für Verkehr und Umwelt bei BMW. Zu diesem Zweck seien neben Speichern aus Nanofasern auch chemische Wasserstoffspeicher wie Methanol und Natriumborhydrid betrachtet worden. Man sei aber zu dem Ergebnis gekommen, dass keiner dieser Stoffe bisher ausreichend Wasserstoff speichern könne. „Wir setzen daher weiter auf verflüssigten Wasserstoff.“

Viele Automobilhersteller arbeiten zwar an der Technik – die meisten wollen aber keine Einzelheiten preisgeben. Lediglich Fiat und Ford lassen sich bedingt in die Karten schauen. Es werde unter anderem an einem Metallhydrid-Speicher gearbeitet, der Wasserstoff in einem feinporigen Kristallgitter binde und die voluminösen Druckbehälter überflüssig mache, heißt es in einer Mitteilung von Fiat.

Ford wiederum setzt auf weitere Verdichtung des gasförmigen Wasserstoffs. „Wir arbeiten an einer weiteren Erhöhung der Speicherdrücke auf bis zu 700 bar, um bei gleichem Tankvolumen die Fahrzeugreichweite deutlich zu erhöhen“, sagt Isfried Hennen, Umweltbeauftragter von Ford.

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