Gesundheit : Das Berliner Wohnheim steht vor dem Aus, wird aber dringend gebraucht - ein Brief an Senator Radunski

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Der Streit um das Studentendorf Schlachtensee geht in die letzte Runde. Morgen entscheidet der Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses über die Zukunft des Dorfes an der Potsdamer Chaussee. Das Berliner Studentenwerk, das bisher einen Neubau favorisiert hatte, sprach sich indes für den Erhalt des Dorfes aus. In einer Erklärung äußert sich der Vorstand besorgt über die stetige Reduzierung der Wohnheimplätze in der Stadt. Im letzten Jahr mußten bereits 2100 Unterkünfte aufgegeben werden, so dass mittlerweile nur noch 10 Prozent der Studierenden mit Wohnraum versorgt werden könnten. Die verbleibenden 13 048 Plätze des Berliner Studentenwerkes seien zum 1. Oktober bereits vollständig belegt. Angesichts dieser angespannten Lage hält das Studentenwerk es für nicht verantwortbar, noch weitere Wohnheimplätze zu opfern. Der Hochschulstandort Berlin verliere vor allem für ausländische Studierende an Attraktivität.

Dies bestätigt auch die Antwort der Senatsverwaltung Wissenschaft, Forschung und Kultur auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Rita Keil (Bündnis90 / Die Grünen) über die Unterbringung von ausländischen Studenten in Berlin. Demnach ist es fraglich, ob den Stipendiaten in Zukunft ausreichend Wohnraum zu Verfügung gestellt werden kann, wenn weitere Wohnheime geschlossen werden. Von den insgesamt 975 ausländischen Studierenden, die im letzten Jahr an den Berliner Hochschulen studierten, wohnten allein 350 in Schlachtensee.

Unterstützung beim Kampf um den Erhalt des Dorfes, erhielt dessen Selbstverwaltung jetzt auch vom John F. Kennedy-Institut der FU. In einem Schreiben an Senator Peter Radunski, das dem Tagesspiegel vorliegt, verweist der Institutsvorsitzende Knud Krakau auf die symbolische Bedeutung des Studentendorfes für das amerikanische Engagement in Berlin. Eine Zerstörung des Dorfes würde in der amerikanischen Perzeption eine starke, negative Symbolwirkung haben. Nach den Plänen des Kultur- und Wissenschaftssenators Peter Radunski soll das Gelände des Dorfes im Tausch gegen die Gebäude der zukünftigen Berlinischen Galerie in Kreuzberg einer Investorengruppe überlassen werden. In diesem Falle wären rund 1000 Studierende gezwungen, sich eine neue Bleibe zu suchen.

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