Gesundheit : Das Donaudelta: Die Tiere kommen erstaunlich schnell zurück

Roland Knauer

Galerieartige Wälder am Ufer, ausgedehnte Schilfröhrichte, verlandende Altwässer und kleine Seen, Balkaneichen-Eschen-Wälder und Sandsteppen - diese verschiedenen Landschaftstypen finden sich im Delta der Donau auf engstem Raum. In diesem kleinen Gebiet brüten, rasten und ernähren sich mit 325 Vogelarten so viele Spezies wie kaum an einem anderen Ort Europas. Das ist einer der Gründe, aus dem der World Wide Fund for Nature WWF das mit 4152 Quadratkilometern deutlich größere Gebiet als das Saarland auf der Expo 2000 als eine der Global 200-Regionen auf der Welt vorstellt, die für das Biotop Erde unentbehrlich sind.

Neben dem Wattenmeer und den Alpen ist das Donaudelta die einzige Region Europas, die in den Kreis von 236 solcher für die Artenvielt unentbehrlichen Areale aufgenommen wurde. Reiher, Pelikane und Adler, manchmal auch ein Fischotter oder sogar ein Nerz locken Naturtouristen in die Feuchtgebiete entlang der drei großen Arme, in die sich die Donau rund hundert Kilometer vor ihrer Mündung ins Schwarze Meer aufspaltet. Der Lauf solcher Gewässer verändert sich mit den Jahren erheblich, wenn der Mensch nicht in das natürliche Geschehen eingreift. Flussschleifen werden abgeschnitten, Sandbänke neu aufgeschüttet. Tiere und Pflanzen sind an diese laufenden Veränderungen angepasst, benötigen sie oft sogar, um sich zu ernähren.

In den sechziger Jahren aber deichten die Rumänen fast 40 000 Hektar Feuchtgebiete und damit ein Zehntel des Deltas ein und unterbrachen so die natürliche Dynamik. Viele Flächen versteppten durch die Trockenlegung, der einstige Artenreichtum wurde durch Eintönigkeit ersetzt. Die Deiche störten den gesamten Wasserhaushalt des Deltas massiv, das Feuchtgebiet schien seine Wirkung als Filter für das Donauwasser vor der Mündung zu verlieren.

Erst der politische Umschwung in Osteuropa veränderte mit Beginn der neunziger Jahre auch die Pläne und Ziele der zuständigen Behörden. Statt neue Deiche zu bauen, wollten die Verantwortlichen jetzt sogar einst trocken gelegte Gebiete wieder überfluten. Das WWF-Aueninstitut in Rastatt am Rhein arbeitete Pläne dafür aus und beobachtet seither die Ergebnisse: Erstaunlich schnell kehren Tierarten in ihre vor Jahren zerstörten Lebensräume zurück, wundert sich der Zoologe des WWF-Aueninstitutes Eckbert Schneider. Selbst auf Flächen, auf denen vor zehn Jahren gerade eine Fischart lebte, tummeln sich heute zwanzig Arten.

Mehr als 3400 Insektenarten und über zweihundert Arten von Spinnen findet der Wissenschaftler im Donaudelta. Das sind erheblich mehr als in den Feuchtgebieten am Ober- und Mittellauf des Flusses. Die Ursache dieser Vielfalt liegt an der Vielfalt der Landschaft. Nasse Senken und Sanddünen, die an eine Wüste erinnern, grenzen unmittelbar aneinander. Hochwasser und besonders niedrige Pegelstände überfluten Gebiete, die normalerweise trocken liegen oder legen Flächen trocken, die sonst unter Wasser sind. Darauf sind bestimmte Arten angewiesen, die wie zum Beispiel Frösche als ausgewachsene Tiere zwar an Land leben, als Larven aber im Wasser schwimmen.

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