Gesundheit : Das Gesicht wiederfinden

Hilfe für Entstellte – ohne Transplantation

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Der Gedanke daran, wie man denn mit dem Gesicht eines anderen Menschen leben könne, fasziniert und beunruhigt die Öffentlichkeit seit der Aufsehen erregenden Transplantation in Frankreich Ende 2005. „Für mich persönlich wäre das nicht in Frage gekommen“, sagt die 34-jährige Daniela F.

Sie weiß, wovon sie spricht, denn wegen mehrerer Tumoren mussten ihr schon als Kind beide Augen und große Teile des Gesichts entfernt werden. Es wurde teilweise mit Gewebe ersetzt, das in der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Charité dem Rücken der Patientin entnommen wurde, zusammen mit den Blutgefäßen, die das Gewebe ernähren. Auf kleine Knochenanker wurde ein Kunstprodukt gesetzt, fachsprachlich Epithese genannt, mit dem die Nase und deren Umgebung ersetzt wird.

Andere Patienten müssen nach Unfällen oder aufgrund angeborener Fehlbildungen ihr Gesicht wieder finden. Einige von ihnen stellten sich gestern aus Anlass der Eröffnung des Berliner Zentrums für Rekonstruktive und Plastisch-Ästhetische Gesichtschirurgie der Charité zusammen mit ihren behandelnden Ärzten den Fragen und zugleich den Blitzlichtern der Presse.

„Gerade wenn es um die Nase geht, ist das Transplantieren rein chirurgisch gesehen eine verlockende Möglichkeit“, sagte die Chirurgin Gül Schmidt, die schon zahlreiche junge Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten operiert hat, im Gespräch mit dem Tagesspiegel.

Was die Medizinerin davon abhält, ist vor allem der Gedanke an die Abstoßung des fremden Gewebes, die zu lebenslanger Einnahme von Medikamenten zwingt. Die wiederum erhöhen das Risiko für bösartige Tumoren, Infektionen und die Zuckerkrankheit (Diabetes). Den großen Teil eines fremden Gesichts „adoptieren“ zu müssen, könnte seinen neuen Träger zudem auch psychisch belasten.

Im Team des neuen Zentrums der Charité will man deshalb auch in Zukunft das Repertoire an Alternativen zu einer Gesichtstransplantation nutzen und erweitern. „Solange ich das Zentrum leite, werden wir uns auf jeden Fall nicht mit der Transplantation von Gesichtern Verstorbener beschäftigen“, sagte gestern Kliniksleiter Jürgen Bier. aml

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