Gesundheit : Das Gespenst Fusion geht um

Die FU diskutiert über Auswirkungen des Medizingutachtens

Anja Kühne

An der Freien Universität herrscht die Befürchtung, die Politik könnte in Zukunft versuchen, auch mit anderen Fakultäten der Berliner Universitäten so zu verfahren wie mit der Medizin. „Werden wir dann auch eine gemeinsame juristische und eine gemeinsame wirtschaftswissenschaftliche Fakultät haben?“, fragte Klaus Hempfer, Professor am Institut für Romanische Philologie, am Mittwoch im Akademischen Senat der Universität. Am Ende könne es in Berlin statt der bisherigen Volluniversitäten mehrere Teiluniversitäten geben, die „wie die Deutsche Bahn eine Holding bekommen, aber kaum noch steuerbar sind", sagte FU-Vizepräsident Dieter Lenzen. Die Unis dürften ihre Identität nicht verlieren.

Außerdem äußerten einige Mitglieder des Gremiums Bedenken gegen einige Punkte des Medizingutachtens. So sagte Klaus Hempfer, es müsse ausgeschlossen werden, dass der Fakultätsrat der neuen medizinischen Fakultät von FU und Humboldt-Universität in einer gemeinsamen Urabstimmung an Charité und Klinikum Franklin gewählt werde. Weil die Charité deutlich mehr Personal habe, würden die Mediziner der Freien Universität dann unter einer Leitung arbeiten, die sich an den Interessen der Humboldt-Uni orientiere. Hempfers Sorge wurde von einigen anderen Professoren im Akademischen Senat geteilt. Komme es zu einer Urwahl des Fakultätsrats, „werden wir nicht abgewickelt, sondern eingewickelt“, hieß es.

Außerdem wurde im Akademischen Senat darüber diskutiert, welche Position die FU einnehmen werde, sollten die Angehörigen des Virchow-Klinikums öffentlich gegen das Gutachten protestieren. Der Dekan der humanmedizinischen Fakultät des Klinikums Franklin, Martin Paul, sagte dazu: „Im Gutachten steht nicht drin, dass ein Standort geschlossen werden soll. Die FU fordert die Schließung dieses Standorts auch nicht, selbst wenn es damals aus der Charité gegenüber dem Klinikum Franklin solche Stimmen gab.“ In den nächsten Jahren könne sich die Lage der Berliner Hochschulmedizin schnell verändern, so dass dann auch das Virchow-Klinikum seine Forschung nicht abgeben müsse – sei es, „weil bis dahin fünf Nobelpreisträger von dort kommen“ oder Berlin und Brandenburg fusioniert und wieder mehr Studienplätze eingeplant würden. Paul sagte: „Die große Richtung des Gutachtens stimmt.“ Über Details werde noch zu sprechen sein.

Der Präsident der Freien Universität, Peter Gaehtgens, warnte davor, das Gutachten zur Berliner Hochschulmedizin zu zerreden: „Würde man allen Bedenken zustimmen, müsste man wieder den alten Plan hervorziehen und das Klinikum Franklin schließen.“

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