Gesundheit : Das juckt mich nicht mehr

Schuppenflechte ist zwar weit verbreitet – inzwischen aber lässt sich das Hautleiden gut behandeln

Rosemarie Stein

Gibt es für eine Krankheit viele verschiedene Behandlungsmethoden, dann heißt das meist: Nichts davon kann sie ursächlich und endgültig heilen, selbst wenn einiges vielleicht hilft. Das gilt auch für ein chronisches Hautleiden, von dem in Deutschland zwei Millionen Menschen betroffen sind: die Schuppenflechte oder Psoriasis. In dem schon von Hippokrates benutzten Begriff stecken die griechischen Wörter Psora = Schuppen und psao = ich kratze. Das sagt schon einiges über dieses zwar verbreitete, jedoch nicht ansteckende Leiden.

Es gibt verschiedene Varianten. Und schon die Hauptform, die Psoriasis vuglaris – die in doppeltem Sinne gemeine Schuppenflechte – ist so vielgestaltig, dass sie leicht mit anderen Hautkrankheiten verwechselt wird. Die Haut rötet und entzündet sich, meist bilden sich runde oder ovale Erhebungen, bedeckt mit silberweiß glänzenden Schuppen. Befallen werden oft Knie und Ellenbogen, Kopf und unterer Rücken. Es kann, muss aber nicht jucken, schmerzen und bluten. Bei etwa jedem Dritten verändern sich auch Finger- und Zehnägel, ähnlich wie bei einem Pilzbefall.

Feuchtigkeit hilft

Wie kommt es dazu? Die Ober- und die darunter liegende Lederhaut entzünden sich, weil das Immunsystem überaktiv ist. Vieles spricht für die heute verbreitete Hypothese, dass die Psoriasis eine Autoimmunkrankheit ist. Und die Oberhautzellen, die eigentlich eine Lebensdauer von vier Wochen haben, wachsen hemmungslos und werden schon nach vier bis sechs Tagen zu Hornschuppen, ohne richtig auszureifen.

Diese Hautveränderungen treten schubweise auf. Wenn man Glück hat, kommen sie nach ein oder zwei Schüben nie wieder, oder man hat wenigstens jahrelang Ruhe. Eine endgültige Heilung der Schuppenflechte gibt es aber noch nicht, trotz aller therapeutischen Fortschritte. Sie führten dazu, dass bei fachkompetenter und individueller Behandlung die meisten der Betroffenen ihr Hautleiden in den Griff bekommen. Sie müssen damit leben wie mit anderen chronischen Krankheiten auch.

Manchen gelingt das sehr gut, besonders dann, wenn sie nur eine leichte Psoriasis mit wenigen befallenen Hautstellen haben. Sonst fühlen sie sich kerngesund. Einige wenige trifft es hart. Große Hautareale sind von einem Schuppenpanzer bedeckt. Das Leben dieser Kranken ist stark beeinträchtigt. Bei ein bis drei Prozent sind auch die Gelenkinnenhäute entzündet wie bei Gelenkrheuma – eine Psoriasis-Arthritis.

Die Schuppenflechte kann in der Familie liegen. Bei den genetisch damit Belasteten bricht sie aber erst aus, wenn noch etwas hinzukommt. Zu den Auslösern (auch späterer Schübe) gehören Belastungen aller Art, wie Infektionen, bestimmte Medikamente, Tabak und Alkohol, Übergewicht, Stoffwechselstörungen und hormonelle Veränderungen, psychischer Stress, Austrocknung, Verletzung und Verbrennung der Haut, auch Sonnenbrand. Andererseits gelten Sonnenbäder als heilsam für die kranke Haut, ebenso wie künstliches UV-Licht, vor allem in Verbindung mit lichtempfindlicher machenden Arzneimitteln.

Solche Bestrahlungen sowie Cremes und Salben, die Feuchtigkeit spenden und die Hornschichten aufweichen und ablösen, können in leichten Fällen fast genügen. Hinzu kommt die äußerliche Anwendung von Wirkstoffen wie zum Beispiel Kortikoiden, Vitamin D-Derivaten und Dithranol.

Die innerliche Anwendung von Medikamenten gegen Psoriasis ist wegen ernst zu nehmender Nebenwirkungen schwer Betroffenen vorbehalten. Einige dieser Mittel haben sich gegen Krebs bewährt. Denn ebenso wie bei bösartigen Zellwucherungen hemmen Zystostatika wie Methrotexat auch bei der gutartigen Psoriasis das übermäßige Zellwachstum.

Auch eine Substanz, die sonst bei Transplantationen das Abwehrsystem bremst, wird mit Erfolg bei der Schuppenflechte angewandt: Ciclosporin. Im Unterschied zu anderen zellhemmenden Mitteln wirkt es gezielt gegen die T-Zellen, die bei diesen Entzündungsprozessen die Hauptrolle spielen. Das reduziert unerwünschte Wirkungen.

Nur nach Erfahrungsberichten oder einzelnen Studien lässt sich schwer beurteilen, was von den althergebrachten oder auch brandneuen Mitteln wirklich nützt und wo die Hersteller zu viel versprechen; zumal die Psoriasis in Schüben verläuft, die symptomfreien Phasen also einen Therapie-Erfolg vortäuschen können. Ein nützliches Fachbuch, das „Kompendium evidenzbasierter Medizin“ (Hans Huber Verlag, Bern 2003) fasst aber Ergebnisse methodisch einwandfreier Therapiestudien aus aller Welt zusammen. Beurteilt wird auch, ob der Nutzen einer Psoriasistherapie für den Patienten belegt ist, das heißt, ob die Wirksamkeit die Nebenwirkungen aufwiegt.

Sicher belegt ist der Nutzen örtlich angewandter Vitamin D-Derivate wie Calcipotriol, der UV-A-Bestrahlung kombiniert mit Psoralenen sowie der Nutzen der UV-A-Bestrahlung kombiniert mit dem Steinkohlenteerbad und Dithranol. Als weniger sicher gilt der Nutzen für die UV-Bestrahlung allein, für Dithranol allein und für örtlich angewandte Retinoide wie Tazaroten.

Eine sorgfältige Abwägung empfiehlt das Kompendium bei nebenwirkungsträchtigen Mitteln wie Ciclosporin, den innerlich anzuwenden Retinoiden, den Kortikoidsalben und Acrolimus. An dieser Stelle nennt es auch die neuartigen „Biologicals“ (wie Alefacept, Etanercept, Infliximab), die den Entzündungsprozess durch Beeinflussung von Botenstoffen stoppen sollen. Hier fehlen noch Langzeiterfahrungen.

Wirksame Therapie

„Nutzen unbekannt“, urteilt das Buch über alles andere streng. Zu streng? Ja, findet Gisela Albrecht, Chefärztin der Hautklinik des Berliner Vivantes-Klinikums in Spandau. Zum einen findet sie es nicht gerechtfertigt, den Nutzen einer Behandlung allein mit Dithranol anzuzweifeln. „Das ist ein Klassiker der Psoriasistherapie, das hat sich schon so lange bewährt, dass kein Mensch mehr eine Studie dazu macht“, sagt die erfahrene Dermatologin.

Sie kritisiert auch, dass die innerlich anzuwendenden Fumarate unter „Nutzen unbekannt“ laufen. In der Tat gibt es darüber sehr wohl gute Studien. Und der kritische „Arzneimittelbrief“ urteilte bereits 1997, gegen schwere Formen der Schuppenflechte seien die Fumarsäure-Derivate wirksam und auch verträglich, sofern der behandelnde Hautarzt „gute pharmakologische und klinische Kenntnisse speziell im Hinblick auf die Indikation und die möglichen Nebenwirkungen hat“. Das gilt für alle anderen Medikamente gegen diese schwierige Krankheit auch.

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