Gesundheit : „Das Klima verstehen“

Leibniz-Preisträger Haug erforscht die Erwärmung

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Welche Note geben Sie dem Erdklima?

Der Zustand ist bedenklich, also eine Vier minus.

Warum interessieren Sie sich für das Klima der Vergangenheit?

Um die Dynamik des Klimasystems zu erfassen, reichen 100 Jahre nicht aus. Es genügt auch nicht, mit Satelliten das jetzige Geschehen aufzuzeichnen. Erst die Reise in die Vergangenheit ermöglicht es, das Klima zu verstehen.

Gab es jemals solche Klimakapriolen wie derzeit?

Vor drei bis vier Millionen Jahren enthielt die Atmosphäre etwa 400 ppm (parts per million = Teile pro Million) Kohlendioxid. Damals gab es kein Eis auf der Nordhälfte. Im Augenblick haben wir 380 ppm, vor etwa 100 Jahren waren es 280 ppm. Den Wert von 400 ppm werden wir noch in diesem Jahrhundert erreichen. Wir steuern also in eine menschengemachte Warmzeit.

Was sind die Folgen?

Wenn wir so weitermachen, bekommen wir eine eisfreie Nordhälfte. Grönland wird abschmelzen, der Meeresspiegel um sechs Meter ansteigen. Betroffen wäre ein Drittel der Weltbevölkerung.

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Mich interessieren die Austauschprozesse zwischen Ozean und Atmosphäre, etwa das El-Nino-Phänomen. Wie sich Variationen in diesen Prozessen auf den Lebensraum der Menschen ausgewirkt haben. El-Nino-Ereignisse haben wir alle sieben Jahre. Über Sedimentrekonstruktionen bekommt man ein über Jahrtausende zurückreichendes Bild.

Warum ist El-Nino so interessant?

Es ist das zweitgrößte Klimaphänomen nach dem Winter-Sommer-Wechsel. Es beinhaltet eine komplette Umverteilung von Wärme und Feuchtigkeit. Die Wärmemassen verschieben sich über den Pazifik nach Osten. Damit verteilt sich eine ganz große Wasser- und Energiemenge über dem Pazifik um, mit globalen Auswirkungen. Es kann sehr viel Regen entlang der amerikanischen Küste geben – und gar keinen in Indonesien.

Wird die Klimaforschung genügend gefördert?

Es wird einiges gemacht. Aber gemessen an den auf uns zukommenden Problemen könnte man mehr machen.

Wie hilft Ihnen der mit 2,5 Millionen Euro dotierte Preis bei der Forschung?

Sie können viele gute Wissenschaftler einstellen. Wissenschaft wird durch kluge Köpfe gemacht. Wenn man ein paar davon für die Klimaforschung gewinnen kann, ist das eine tolle Sache.

Das Gespräch führte Paul Janositz.

Gerald Haug, 38, arbeitet am Geoforschungszentrum Potsdam und an der Uni Potsdam. Der gebürtige Karlsruher studierte Geologie in Kiel und habilitierte sich an der ETH Zürich.

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