Gesundheit : Das Kunstwerk der Einzelstunde Lehrerstudium: Wie kann man es besser machen?

Anja Kühne

In Deutschland sind Lehrer die Buhmänner der Nation. Kein Wunder, meint Enja Riegel, die ehemalige Direktorin des deutschen Pisa-Siegers, der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden. Die Misere beginne an der Universität, wo die angehenden Pädagogen zu Schmalspurwissenschaftlern ausgebildet würden. Das Referendariat drille sie dann, „das Kunstwerk der Einzelstunde zu zelebrieren“ und Probleme durch Selektion zu lösen. Den Rest gebe den jungen Lehrern das „erdrückende Vorbild der alten Schule“, an deren Spitze nicht selten ein „trübsinniger und ängstlicher Schulleiter“ stehe, sagte Riegel jetzt beim „Zeit Forum der Wissenschaft“ in Berlin.

Was ist zu tun? „Der Zugang zum Lehrerberuf muss selektiv gemacht werden“, forderte Manfred Prenzel, Koordinator für die Pisa-Studie in Deutschland. Am Beginn des Studiums müsse eine Diagnostik stehen, um zu klären, wer überhaupt geeignet sei. Außerdem müsse die Universität den Lehramtsstudenten eine Heimat bieten, etwa in Lehrerbildungszentren, wo sie das „Kerngeschäft des Unterrichtens“ professionell erlernen könnten.

Dazu gehören frühe eigene Unterrichtserfahrungen, die den Studierenden bislang vorenthalten werden. Und das, obwohl auch die Schulen davon profitieren, wenn Lehramtsstudenten etwa mit „Risikoschülern“ Lesen üben, wie Reiner Lehberger von der Uni Hamburg über das Projekt „Lernwerk“ der „Zeit“-Stiftung berichtete. Damit die jungen Pädagogen dann im Referendariat nicht wieder auf den Standard der Schule zurückfallen, sollten die Lehramtsanwärter nur an Modellschulen ausgebildet werden, schlug Riegel vor. Hier könnten sie erfahren, wie entlastend Teamarbeit sei.

Ist die Politik auf dem richtigen Weg? Andreas Schleicher, der die Pisa-Studie bei der OECD betreut, sieht gute Ansätze im neuen praxisnahen Bachelor-Studium in Rheinland-Pfalz. Doch Rheinland-Pfalz ist eine Ausnahme. Der Pädagogik-Professor Lehberger plädierte für die Abschaffung der Kultusministerkonferenz, die für Minimallösungen stehe. Das Beamtentum muss weg, forderte Enja Riegel und erntete dafür Zustimmung aus dem Publikum. Davon verspricht sich Jürgen Zöllner, Wissenschaftsminister in Rheinland-Pfalz, jedoch nichts, solange das öffentliche Dienstrecht nicht reformiert ist.

Bis die Lehrer besser ausgebildet werden, kann die Schule jedenfalls nicht warten, da waren sich die Experten einig. Die Hoffnung ruht deshalb auf der Fortbildung für Lehrer – die fortschrittlicher sei als das Studium.

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