Gesundheit : Das Landleben macht Kinder froh

Eine neue Studie zur Kindheit sieht aber Ost-West-Unterschiede

Anja Kühne

Die meisten Kinder in Deutschland fühlen sich offenbar meist wohl mit sich selbst und ihrer Umgebung. Über 800 Schüler im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren wurden vom Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der „Bild“-Zeitung zu ihren Lebensumständen befragt. 86 Prozent bezeichneten sich zum Zeitpunkt des Interviews als (sehr) fröhlich, nur ein Prozent als bedrückt, 12 Prozent beschrieben ihre Stimmung als wechselnd. Nicht fröhliche Kinder sagen häufig als Grund, die Eltern hätten nicht genug Zeit für sie.

Ostdeutsche Kinder sind weniger unbeschwert als westdeutsche. 41 Prozent der westdeutschen, aber nur 23 Prozent der ostdeutschen Kinder beschreiben ihre Gemütsverfassung als sehr fröhlich. Nur elf Prozent der westdeutschen, aber 21 Prozent der ostdeutschen Kinder sagen, dass sie häufiger oder zumindest gelegentlich bedrückt sind. „Die schwierigere, unbefestigtere Lage in den neuen Bundesländern prägt nicht nur das Leben der Erwachsenen, sondern teilweise auch die Gemütsverfassung der Kinder“, erklären die Demoskopen.

Mädchen genießen das Kindsein der Umfrage zufolge mehr als Jungen. Auf dem Land fühlen sich die Kinder glücklicher als in der Stadt. Nur 56 Prozent der Kinder, die im großstädtischen Milieu aufwachsen, sind gerne Kind. In ländlichen Milieu sind es 67 Prozent der Kinder. Die Demoskopen führen das auch darauf zurück, dass die Großstädte Kindern weniger Raum lassen: 83 Prozent der Kinder auf dem Land sagen, sie hätten genug Platz zum Spielen. Das gleiche sagen nur 68 Prozent der Kinder in Großstädten. Auch dabei gibt es Unterschiede zwischen Ost und West: Während 80 Prozent der westdeutschen Kinder genug Platz zum Spielen haben, sagen das von sich nur 65 Prozent der Kinder in Ostdeutschland. Das Landleben macht es offenbar leichter, Freunde zu finden. 78 Prozent der Kinder, die auf dem Land aufwachsen, sagen, sie hätten viele Freunde (Großstadtkinder: 65 Prozent). Großstadtkinder haben auch weniger Geschwister: Zwei Drittel der Kinder, die in einer Großstadt aufwachsen, haben Geschwister (auf dem Land 80 Prozent).

Mit dem Erziehungsstil ihrer Eltern sind die Kinder aus gehobenen sozialen Schichten eher zufrieden als die, die in Familien der Unterschicht oder mit nur einem Elternteil aufwachsen. Insgesamt würden von den acht- bis 12-Jährigen nur 38 Prozent die eigenen Kinder so erziehen, wie sie selbst erzogen werden. Von körperlichen Strafen berichten aber nur wenige: Acht Prozent von Ohrfeigen, zwei Prozent von einem „Klaps auf den Po“. Zum Streit kommt es vor allem, wenn es ums Aufräumen, Aufbleiben und Fernsehen geht. Die Wahl der Spielkameraden nennen nur acht Prozent als Grund für Streit mit den Eltern, den eigenen Musikgeschmack nur sieben Prozent.

Die Lieblingsfächer der Jungen sind vor allem Mathe und Sport, die der Mädchen Deutsch und Kunst. Die Religion rangiert bei den Lieblingsfächern weit unten. Dabei glauben 74 Prozent der befragten Kinder an Gott, 58 Prozent beten zumindest gelegentlich. Nichts trennt die Kinder in den alten und neuen Bundesländern jedoch mehr als der Glaube: 82 Prozent der westdeutschen, doch nur 27 Prozent der ostdeutschen Kinder glauben an Gott.

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